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Die CDs der Woche - Popkolumne:Kurzer Prozess mit Gehampel

Das Album "Trouble Will Find You" von The National

Das Album "Trouble Will Find You" von The National hat die Bandbreite aller niederen Stimmungen.

(Foto: 4AD)

Die Sportfreunde Stiller sind mit ihrem Hauruck-Gehampel nicht rezensierbar. The National haben die Tiefe des großen amerikanischen Indierocks, nach der alle dürsten, während CocoRosie lieblich den Tanzfuß rührt. Die Popkolumne.

"The National"

Eigentlich unbemerkt und scheu, irgendwo in den Hinterhöfen der Hochstimmung wurde diese Band zu einer Großband. Einer, die heute so unbedingt zum Kanon und Ins-Bett-Gehen einer ganzen, kleinen Generation gehört, dass es eigentlich bei diesem sechsten Album höchste Zeit für Abwendung und Für-und-Wider-Debatten wäre, aber das läuft nicht. The National aus New York sind einfach immer noch vorne und sie schieben ihre zarten Manien unbeirrt und sanft in die Welt, als würden mit einem neuen Album nur eben die Kissenbezüge getauscht, auf denen man sich dann wieder bettet und Trost findet.

Das neue Album "Trouble Will Find You" (4AD) ist also sehr gut, punktum. Es hat die Tiefe, nach der alle dürsten, es hat die Streicher und den Bariton von Matt Berninger, ohne den viele nicht mehr leben wollen und es hat genau die Bandbreite, die alle niederen Stimmungen und Therapiegedanken abdeckt. Flottes zum Fahrradfahren wie "Graceless", viel in Moll und unpeinliche Balladen wie "Fireproof", aber solche Sachen haben viele Bands, die mit College-Rock und der Dave Matthews Band aufgewachsen sind. Es sind Stücke wie "Humiliation" und "Don't Swallow The Cap", die hier den Sockel aufstellen. Abseitige Nummern, in denen die beiden Brüderpaare an den Instrumenten ihre Gitarren und Rhythmusgeräte in Stellung bringen, um einen unwiderstehlichen Sog zu erzeugen. Da geht es weniger um pointierte Einzelaktionen, ausgefuchste Bassläufe oder große Refrains, und trotzdem werfen sie einen damit um.

Mit der nun abermals erfolgreichen Neuauflage dieses Kunststücks, hängen sie in der Ahnenreihe mit Modest Mouse und Death Cab For Cutie, in direkter Erbfolge des großen amerikanischen Indierocks. Manches klingt hier aber auch nach Go-Betweens, die ewig unerreicht bleiben werden, wenn es darum geht, die Niedertracht des Zwischenmenschlichen in absolute fettfreie, jubilierende Songs zu gießen. So leichtfüßig sind National nicht, wollen es auch nicht sein. Das neue Werk stampft bisweilen ganz schön im College-Pathos, und ist auch vielleicht zwei Songs zu lang. Die Botschaft und Aura schmälert das nicht. Diese Großband ist immer noch die Messlatte für schweren Indierock und bleibt Pflichtlektüre, bevor mit Geisteswissenschaftlerinnen angebandelt werden kann.