Wanda Amore

Wanda

Austropop schreibt irgendwer über die Band Wanda aus Wien. Das ist eigentlich kein Label, das man einer jungen Band zum Start wünscht, aber wenn man diese speziellen Herrschaften zum ersten Mal in Aktion erlebt, hat man den Eindruck, sie würden es sogar irgendwie leiwand finden. So etwas wie Wanda hat man tatsächlich lange nicht mehr gesehen und gehört, so eine köstliche, Fendrich-artige Burenwurschtigkeit mit der sich Sänger Marco Michael Wanda mit offenem Hemd und Kippe durchs Video von "Bologna" fläzt und dabei singt: "Ich kann sicher nicht mit meiner Cousine schlafen, obwohl ich gerne würde, aber ich traue mich nicht." So ein wunderbares Zigarettenbürscherl! Das ist die Wiener Chuzpe, die man von den ganz frühen "Ja,Panik" kennt, gepaart mit einem Urvertrauen ins eigene Jungsein und ein bisschen Falco-Haargel. Es ist aber auch ein brachialer Zeitgeist, der hier und auf dem ganzen exzellent-verkorksten Debütalbum "Amore" (Problembär Records) tönt und von dem man fast annehmen möchte, dass er durch jahrzehntelanges Hören des Radiosenders FM4 entstanden ist. Eine popkulturelle Abgefeimtheit ist das, die hierzulande irgendwie noch ziemlich selten ist. Witz und Wahnsinn, Melodie und Peinlichkeit sauber auf die Bühne gebracht. Die Musik? Relativ banaler Poprock, zwar regional und handgemacht, aber nein, das lebt hier von der Attitüde des Frontmanns. Wanda sind radiotauglich und auch clubkredibel, ur-gut, irgendwie. Aufpassen, von denen kommt noch mehr!

Bild: Problembär 29. Oktober 2014, 17:392014-10-29 17:39:03 © Süddeutsche Zeitung vom 28.10.2014/khil