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Deutsche Übersetzungen von "12 Years a Slave":Gesprengte Ketten

Golden Globes 2014 - ´12 Years a Slave"

Szene des Films "12 Years a Slave".

(Foto: dpa)

Solomon Northups Buchvorlage für den Film "12 Years a Slave" ist nun auf Deutsch erschienen - gleich zweimal. Während der Piper Verlag vor allem auf das Kinopublikum abzielt, setzt ein Team von Self-Publishern auf die historische Bedeutung des Originals von 1852.

Von Lothar Müller

Meist handeln Geschichten aus der Welt des Self-Publishing von Autorinnen, die erotische Romane oder Thriller oder Kreuzungen aus Liebesroman und Thriller auf den Markt bringen, indem sie an einen großen Verteiler wie den Konzern Amazon andocken. Diese Geschichte geht anders. Am Sonntag, dem 12. Januar 2014, las der Buchgestalter Rainer Zenz ein Zeitungsinterview mit Steve McQueen über seinen Film "12 Years a Slave". Darin sagte der britische Regisseur über das gleichnamige Buch von Solomon Northup, das dem Film zugrundeliegt, es sei für die Sklaverei so wichtig wie das Tagebuch der Anne Frank für die Nazizeit. Schnell fand Zenz heraus, dass Northups Bericht über seine Entführung und Versklavung, der 1853 erschien und zusammen mit Harriet Beecher Stowes Roman "Uncle Tom's Cabin" (1852) Furore machte, nie ins Deutsche übersetzt worden war.

Noch am selben Tag wurde der Buchgestalter zum Self-Publisher. Er bildete mit der Übersetzerin Petra Foede einen Zwei-Personen-Verlag auf Zeit, um möglichst rasch eine deutsche Erstübersetzung von "12 Years a Slave" nach der Originalausgabe des Jahres 1853 im E-Book-Format herauszubringen. Es dauerte nicht lange, bis die beiden erfuhren, dass ein großer Publikumsverlag, Piper, ebenfalls dabei war. Der Zeitdruck, unter dem die Self-Publisher standen, wollten sie dem in Deutschland bereits angelaufenen Film nicht allzu weit hinterherhinken, wurde durch die Rivalität mit Piper verschärft.

Häppchenweise Übersetzung

Sie griffen zum Mittel der Portionierung, teilten ihr E-Book in drei Lieferungen auf und speisten Anfang Februar die erste Folge in die üblichen Online-Bookshops ein, zum Preis von 0,99 Euro. Mitte Februar erschien die zweite Folge, für 1,49 Euro, und nun wurde es interessant. Denn am 17. Februar brachte der Piper Verlag die Gesamtübersetzung heraus, als "deutsche Erstausgabe" im Taschenbuch für 9,99 Euro und als E-Book für 8,49 Euro. Zugleich näherte sich der 2. März, der Termin der Oscar-Verleihung in Hollywood, bei der McQueens Film nominiert war. Am Freitag, dem 28. Februar brachten die Self-Publisher ihre Gesamtübersetzung auf den Markt - für 2,99 Euro. Als "12 Years a Slave" dann den Oscar als Bester Film erhielt, zogen die Verkaufszahlen an.

Sie lagen schon zuvor über denen der teureren E-Book-Ausgabe bei Piper. Dass die Edition der Self-Publisher eher die Konkurrenz der E-Books anderer Self-Publisher scheuen muss als die Konkurrenz des E-Books aus dem Publikumsverlag, dürfte nicht nur an der Preisdifferenz liegen. Sondern auch an den unterschiedlichen Konzepten der Ausgaben. Die Piper-Ausgabe ist konsequent als Buch zum Film durchgestaltet: Der Titel ist im englischen Original belassen und hat den Untertitel "Die wahre Geschichte" erhalten, im Innern des Buches findet sich eine Sequenz von Film-Stills und Bildern zu den Dreharbeiten.

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