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Deutsche Filmwirtschaft:Alles auf Pause

"Das Irrste, was ich in dieser Branche je erlebt habe", sagt ein Produzent. Von "Matrix 4" bis "Weißbier im Blut" - die meisten Dreharbeiten in Deutschland können fürs Erste nicht mehr stattfinden. Schon jetzt ist klar: Die Schäden gehen in die zig Millionen.

Von Tobias Kniebe

Zugleich mit dem gesamten öffentlichen Leben kommt auch die Filmproduktion in Deutschland zum Erliegen. Am Montag begann Nordrhein-Westfalen, bereits erteilte Drehgenehmigungen zurückzurufen, am Nachmittag teilte auch die Filmkommission Bayern mit, dass Dreharbeiten ab sofort und bis mindestens 19. April nicht mehr stattfinden können. In Berlin galt am Montagvormittag noch die Erlaubnis für gemeldete Teams, die kleiner als 50 Personen waren, aber auch dort wird jederzeit mit einem Stopp gerechnet. "Das ist das Irrste, was ich in dieser Branche je erlebt habe", sagt der Berliner Produzent Stefan Arndt, ("Babylon Berlin", "Die Känguru-Chroniken"). "Wenn jetzt die versprochen Staatshilfen nicht wirklich greifen, stehen achtzig bis neunzig Prozent der Filmproduzenten vor der Pleite."

Etliche Großproduktionen könnten betroffen sein, in München etwa Detlev Bucks "Die Bekenntnisse des Hochststaplers Felix Krull", eine aufwendige Adaption der Bavaria Film nach Thomas Manns Roman, und "Katakomben", ein Serienprojekt für Joyn. In Berlin dürfte "The Matrix 4" der Regie-Geschwister Wachowski gefährdet sein, der mit 25 Millionen Euro Förderung im Studio Babelsberg gedreht werden sollte - aktuell war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Filme wie "Immenhof" oder "Weißbier im Blut" standen in Bayern kurz vor Drehstart und werden nun gar nicht begonnen.

Anja Metzger von der Filmkommission Bayern bezeichnete die Maßnahmen als unausweichlich, aber nicht alle in der Filmbranche fühlen sich gerecht behandelt. "Mir scheint, dass Dreharbeiten von den Behörden als nicht besonders wichtig angesehen werden, das untersagt man im gleichen Atemzug mit dem Bordellbesuch", sagt Stefan Arndt. "Einige Kollegen haben noch so getan, als wären sie gegen diese Ausfälle versichert, aber das stimmt natürlich nicht. Die Millionenschäden allein in unserer Firma kann ich gar nicht beziffern."

© SZ vom 17.03.2020
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