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David Paul Greenfield  gestorben:Irre bis genial

David Paul Greenfield, geboren 1949 in Brighton, stieg 1975 bei den "Stranglers" ein.

(Foto: mauritius images / Christopher C)

Der Musiker David Paul Greenfield war das Mastermind der Band "The Stranglers" und schrieb einen Walzer über die Droge Heroin. Im Alter von 71 Jahren ist er an den Folgen einer Covid-19-Infektion gestorben.

Einen Walzer über die Droge Heroin mit sanft nadelnden Cembalo-Akkorden zu beginnen, ist an sich schon ziemlich irre. Noch irrer war es, wie der Komponist und Sänger David Paul Greenfield in seinem legendären Intro zum Stranglers-Hit "Golden Brown", 1981, alle drei Takte einen Extraschlag in den Dreivierteltakt einbaute, wodurch das quasi-barocke Genadel raffiniert ins Schlingern geriet. So viel kompositorische Versiertheit hätte man dem britischen Quartett ohne seinen Keyboarder kaum zugetraut. Die anderen Bandmitglieder standen den Arpeggien und vertrackten Akkord-Gebilden, die Greenfield aus Hammond-Orgel, Minimoog- und Oberheim-Synthesizer lockte, wohl teils skeptisch gegenüber. Klang das nicht nach Prog-Rock? Jedenfalls stand es im Kontrast zur punkigen Räudigkeit, die die Stranglers auch verkörperten. Wie so oft im Pop: Der größte Erfolg kommt, wenn man das eigene Rezept mal vergisst. Die Stranglers feierten ihre größten Hits, wenn sie, angeregt durch Greenfield, auch Dub-Elemente und Pop hineinarrangierten. "Always The Sun" von 1986 gehört dazu. Der Song klingt wie Dream-Pop, tauglich für kalifornische Sonnenuntergänge. Hugh Cornwell, der langjährige Sänger der Stranglers, sagte: "Er machte den Unterschied aus zwischen den Stranglers und jeder anderen Punkband." Am Sonntag ist Dave Greenfield im Alter von 71 Jahren an Covid-19 gestorben.

© SZ vom 06.05.2020

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