Das neue Album von Prince Treffender Größenwahn

Bisschen billig, wunderbar dämlich und sehr beschwingt: Die neue Prince-Platte "20Ten" klingt nach Dirty Funk der achtziger Jahre. Die Selbstreferenzialität steht dem violetten Genius gut.

Von Marc Deckert

Alles klingt ein wenig zu billig auf 20Ten, dem neuen Prince-Album, und das hat glücklicherweise nichts mit dem günstigen Preis zu tun - 20Ten klebt als exklusive CD-Beilage auf dem Cover des deutschen Rolling Stone.

Nein, der violette Genius mit den innovativen Vertriebswegen erinnert sich hier seiner Wurzeln im Dirty Funk der frühen achtziger Jahre, der nun mal absichtlich synthetisch und ein wenig billig klang.

Der Einstieg mit dem Song Compassion erinnert verdächtig an den Einstieg des Großwerks Purple Rain mit Let's Go Crazy. Hoppelnde Synthesizer-Bässe und die sehr trockenen, peitschenartigen Beats und Handclaps eines alten Linn-Schlagzeugcomputers erwecken den Eindruck, man höre ein Prince-Album aus unbeschwerten Partyzeiten. Oder gar den Soundtrack von Beverly Hills Cop, der gar nicht von Prince war.

So wunderbar dämlich und beschwingt geht es weiter. "From the heart of Minnesota, here comes the purple Yoda", rappt der Meister in treffender Selbstironie. Oder in treffendem Größenwahn. Jeder Song auf dem Album, das bis auf einige Stimmen und Bläsersätze wieder einmal von Prince ganz allein eingespielt und produziert wurde, lehnt sich rhythmisch oder klanglich an einen Prince-Klassiker an - nicht jeder ist gut, aber Aussetzer gehören nun mal ebenso zu diesem Künstler wie die großen Themen Gott, Funk und (körperliche) Liebe.

Selbstreferenziell ist das allemal. Aber es gibt Schlimmeres als eine neue Prince-Platte, die sehr stark nach Prince klingt.

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