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Daniel Radcliffe im Gespräch:"Nach Harry Potter hatte ich Angst, nur noch als Harry wahrgenommen zu werden"

Daniel Radcliffe, Total Film UK, January 1, 2016

Vom Kinderstar zum Indie-Film-Darsteller: Der Schauspieler Daniel Radcliffe.

(Foto: Pal Hansen/Getty Images)

Wie ist es, mit Mitte zwanzig schon ausgesorgt zu haben? Daniel Radcliffe über seine Jahre als Zauberlehrling, seine Alkoholphase und den Reiz von Indie-Filmen.

Was fängt man als Schauspieler mit sich an, wenn man bereits mit Mitte zwanzig finanziell für immer ausgesorgt hat und der berühmteste britische Junge des Planeten ist?

Nach acht Blockbustern als Harry Potter hatte Daniel Radcliffe, heute 27 Jahre alt, keine Lust mehr auf Hollywood. Seit dem Ende der Potter-Reihe 2011 dreht er stattdessen einen kleinen Independent-Film nach dem anderen, wie aktuell den Thriller "Imperium", in dem er einen FBI-Agenten spielt, der sich in der amerikanischen Neonazi-Szene einschleusen muss.

Beim Treffen auf dem Züricher Filmfestival erzählt er sehr entspannt von seinem neuen Karriereweg: "Nach Harry Potter hatte ich Angst, nur noch als Harry wahrgenommen zu werden. Vor allem die britischen Boulevardzeitungen haben nur darauf gewartet, dass ich scheitere und abstürze. Die hätten am liebsten die Story geschrieben: Der ehemalige Kinderstar Daniel Radcliffe hat nie wieder einen Film hinbekommen, weil er in der Gosse gelandet ist. Deshalb wollte ich sofort danach regelmäßig weiterarbeiten."

Fünftausend Japaner, die ein zwölfjähriges Kind aus England feiern

Die Jahre als Zauberlehrling waren gerade bei den ersten Filmen eine ziemlich verrückte Zeit, berichtet Radcliffe: "Als ich zwölf war, sind wir nach Tokio geflogen, eine Promo-Tour für den neuen Potter-Film. Die Japaner sind mit die größten Potter-Fans überhaupt, die sind richtig fanatisch, was das angeht. Am Flughafen standen 5000 Fans und schrien und warteten - auf mich. Das war komplett irre, der totale Wahnsinn, fünftausend Japaner, die ein zwölfjähriges Kind aus England feiern."

Auf dem Höhepunkt seines Ruhms rutschte er dann in eine Alkoholphase ab, weshalb er heute lieber gar nichts mehr trinkt: "Für mich ist es besser, nichts mehr zu trinken, weil ich darin einfach nicht gut bin, ich kenne dann kein Ende. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr, morgens mit Riesenkater aufzuwachen und zwanzig SMS von der letzten Nacht zu lesen, in denen steht: Alter, wo bist du? Alles o.k.?".

"Ich habe verdammt viel Glück gehabt"

Wenn er eines Tages Kinder haben sollte, würde er ihnen zwar nicht verbieten zum Casting für einen Hollywoodfilm zu gehen, aber er fände es besser, wenn sie keine Stars werden. "Ich habe meine Erfahrungen mit dem Ruhm und einem Leben in der Öffentlichkeit, und muss sagen: Ich habe verdammt viel Glück gehabt. Die Wahrscheinlichkeit, dass man abstürzt, gerade wenn man jung berühmt wird, ist sehr hoch."

Dass er mit kleinen Filmen wie "Swiss Army Man", "Horns" oder "Imperium" deutlich weniger Zuschauer erreicht als früher, ist für ihn kein Problem: Ich kann es mir erlauben mitzuspielen, wo ich will, auch wenn die Gage niedrig ist. Aber gerade weil ich mir das erlauben kann, fühle ich mich auch verpflichtet, Filme nur dann zu machen, wenn mir das Skript wirklich gefällt, egal ob ich glaube, dass es ein Hit wird oder nicht. Mir ist schon klar, dass nur ein winziger Bruchteil der Menschen, die in die Potter-Filme gegangen sind, sich auch einen harten Film wie "Imperium" anschauen. Aber wenn ich durch meinen Namen einem kleinen Film zumindest ein paar mehr Zuschauer einbringe, bin ich schon vollkommen zufrieden."

© SZ.de/luc

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