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Versteigerung in London:"Damien Hirst kam mit einem Kumpel vorbei und hat losgewerkelt"

Bilder über Theresa Hein; Hölderlin

Teurer Medizinschrank: "Bodies" von Damien Hirst im Arbeitszimmer des Kunstsammlers Robert Tibbles.

(Foto: Image courtesy of Phillips;)

Robert Tibbles zahlte einst 600 Pfund für das Hirst-Kunstwerk "Bodies", seine Freunde lachten ihn aus. Jetzt wurde es für 1,3 Millionen Pfund versteigert.

Das Auktionshaus Phillips in London hat am Donnerstag eine Kollektion mit Objekten der Achtziger-Jahre-Künstlerbewegung Young British Artists versteigert. Darunter: "Bodies", ein Medizinschrank des Künstlers Damien Hirst, der bei der Auktion 1,36 Millionen Pfund erzielte. Die Sammlung gehörte dem Kunstsammler Robert Tibbles, der "Bodies" von Damien Hirst 1989 kaufte, es war Teil von Hirsts Abschlussarbeit am Londoner Goldsmiths College. Im Interview spricht der Sammler Tibbles darüber, wie es sich anfühlt, sich von Kunst zu trennen - und Damien Hirst im Wohnzimmer ein Regal anschrauben zu lassen.

SZ: Sie haben "Bodies" (1989) mit 28 Jahren für 600 Pfund gekauft. Haben Sie beim ersten Anblick das Potential erkannt?

Robert Tibbles: Ich habe zumindest gleich verstanden, dass es einzigartig ist. Man wird gezwungen, etwas anzuschauen, wovon sich manche Leute abgestoßen fühlen. Gesundheit ist etwas so Privates, das fand ich sehr klug.

Was ist so besonders an "Bodies"?

"Bodies" ist ein sehr cleveres Kunstwerk. Es bringt einen dazu, etwas ganz Gewöhnliches - in diesem Fall Medizin - mit anderen Augen zu betrachten. Jeder von uns hat einen persönlichen Bezug zu Tabletten. Wenn jemand Tabletten nimmt, gibt es immer diese unausgesprochene begleitende Vorstellung, dass mit einem etwas nicht stimmt. "Bodies" spielt mit dieser Konnotation, es ist überraschend komplex. Natürlich hatte ich ein Riesenglück, es so früh zu bekommen.

Und dann haben Sie es selbst bei sich zu Hause aufgebaut?

Nein, das war Hirst! Ich habe damals im Londoner Stadtteil Pimlico gewohnt und hatte dieses eine große Zimmer. Damien Hirst kam mit einem Kumpel vorbei und hat losgewerkelt. Ich habe ihnen eine Tasse Tee gebracht und mich mit meinem Partner in die Küche gesetzt und gewartet. Ich weiß gar nicht, ob das heute noch gehen würde: Dass der Typ, dessen Kunstwerk du kaufst, zu dir heimkommt und es aufbaut. 1993 zog ich um, und es war interessant zu sehen, wie der gestiegene Wert des Objektes einen viel vorsichtigeren Umgang mit sich brachte: Da kamen Menschen mit weißen Handschuhen, um es korrekt zu installieren. Mittlerweile gibt es sogar ein Begleitbuch, so eine Art Bibel, in der genaue Anweisungen stehen, wie man welches Fläschchen hinstellen soll.

Wie hat ihr Umfeld auf das Kunstwerk reagiert?

Oh, ich habe sehr ehrliche Freunde. Sie sagten, was sie dachten: "600 Pfund?!", "Das ist totale Kacke", und "Du bist doch ein guter Kunde bei der Galerie, kannst du es nicht zurückgeben?" Aber ich reagierte trotzig. Es war, als würde ein Freund sagen, dass er deinen Partner nicht ausstehen kann. Dann hältst du ja umso stärker an ihm fest. So ging es mir ein bisschen mit "Bodies". Interessant ist auch, wenn Ärzte daran vorbeigehen. Die schauen sich die Medikamente im Regal sehr genau an und sagen: "Huiuiu, das wird doch gar nicht mehr hergestellt", "Oder warum steht das hier für Alkoholiker neben dem Medikament, mit dem man Herpes behandelt?"

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Ist "Bodies" die 1,3 Millionen Pfund wert, für die es gestern versteigert wurde?

Da kann man einerseits die Diskussion ums Geld führen. Und andererseits die Diskussion über den Wert. Was etwas kostet, kann schließlich niemals den Wert von etwas bemessen, das ist ein Trugschluss. Wenn etwas eine Million Pfund kostet, und etwas anderes kostet 1000 Pfund: Ist das, was eine Million wert ist, 1000 Mal besser? Als Sammler kann und darf man nicht so denken. Schau dir an, was du toll findest. Bewerte den Künstler nicht nach seinem Preis.

Bei der Auktion wurde eine ganze Kollektion mit Arbeiten der Young British Artists aus Ihrem Besitz versteigert. Warum gerade jetzt?

Ich habe lange überlegt, was ich machen soll und was der richtige nächste Schritt für diese Kunstwerke wäre. Ich dachte während der vergangenen Jahre: Wer bin ich und warum muss ich das besitzen?

Ich will nicht unhöflich sein, aber das klingt ein bisschen nach Midlife Crisis.

Ha, interessant, dass Sie das ansprechen. Eine Trennung von einem Objekt war für mich früher immer so, als würde man sich die Hand abhacken. Ich hab's einfach nicht über mich gebracht.

Warum haben Sie sich jetzt doch zum Verkauf entschieden?

Irgendwann kam bei der Kollektion der Punkt, an dem ich wusste: Sie ist komplett. Obwohl es eine Menge Objekte von Künstlern gab, die ich dann doch nicht gekauft hatte, zum Beispiel von Richard Riley, Angus Fairhurst, Gavin Turk (alle Young British Artists, Anm.d.Red.) Ich habe dann beschlossen: Das Beste, was ich machen kann, ist, es als gesamte Kollektion anzubieten. Einer der großen Vorteile, die man davon hat: Man kann eine Menge darüber sprechen, die Geschichten der einzelnen Objekte erzählen, Dialog ermöglichen.

Hätten Sie sich gewünscht, dass die Kollektion als Kollektion zusammenbleibt?

Nein, aber mir ist wichtig, dass die Stücke ein gutes zu Hause finden. Und das schönste wäre, wenn derjenige, der sie gekauft hat, sie genauso wertschätzt, wie ich es getan habe.

Bilder über Theresa Hein

Pictured: Robert Tibbles

"Wer bin ich, und warum muss ich das besitzen?", fragte sich Robert Tibbles irgendwann. Er ist Kunstsammler.

(Foto: Image courtesy of Phillips)

Sie sprechen ein bisschen von den Kunstwerken wie von Kindern, die Sie zur Adoption freigegeben haben.

Es ist ja auch ein bisschen so. Die Familie geht auseinander, aber es können auch alle gut auf sich selbst aufpassen.

Was hängen Sie denn jetzt statt "Bodies" an die Wand?

Im Moment sieht es bei mir aus, als sei ich ausgeraubt worden. Aber es ist gar nicht so schlimm. Ich dachte, es würde mir schlechter gehen. Mein Partner hat noch eine Grafik von Picasso, vielleicht kommt die da hin. Mal sehen.

© SZ.de/biaz
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