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Comics:Batman in love

(Foto: Verlage)

Immer gegen den Strom: Jugendliche Superhelden in neuen Graphic Novels, die das alte Superhelden-Konzept erfolgreich einsetzen, von taffen Prinzessinnen und von einem verliebten Batman erzählen.

Von Christoph Haas

Die Zeiten, als Superhelden primär bei einem männlichen Publikum vor und in den Teenagerjahren gut ankamen, gehören der Vergangenheit an. Seit den spektakulären Erfolgen von "Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters" (1986) und "Watmen" (1987) sind die anspruchsvolleren Veröffentlichungen in diesem Comic-Bereich meistens für Erwachsene bestimmt. Jetzt wirbt der DC-Verlag allerdings gezielt um minderjährige Leserinnen und Leser, mit einer Reihe umfangreicher Einzeltitel, in denen jugendliche Versionen populärer Figuren auftreten.

In "Gegen den Strom" ist dies die energische Prinzessin Mera. Um ihr Unterwasserreich von der unterdrückenden Herrschaft der Atlanter zu befreien, macht sie sich auf, um deren Thronerben zu töten, verliebt sich aber dummerweise in ihn - er ist, wie sich schließlich herausstellt, Aquaman, als dessen spätere Ehefrau Mera bekannt geworden ist. "Gegen den Strom" mit dem Text von Danielle Paige und den Zeichnungen von Stephen Byrne ist die modernisierte Fassung einer Story, die bereits aus dem Silver Age der amerikanischen Comics, aus dem Jahr 1963, stammt, und wenn man etwas genauer hinschaut, merkt man: Dies ist auch eine optimistische Variation des traurigen Märchens von der kleinen Meerjungfrau.

Danielle Paige: Mera - Gegen den Strom. Aus dem Amerikanischen von Sanni Kentopf. Panini Verlag, 2020. 212 Seiten, 16,99 Euro.

(Foto: Verlag)

Als Freundin des psychopathischen Schurken Joker berüchtigt ist die schrille Harley Quinn. In "Breaking Glass" geht sie noch auf die High School und findet, ganz neu in Gotham City, Unterschlupf bei einer älteren Drag Queen mit goldenem Herzen. Mariko Tamaki, die Szenaristin und Texterin hatte mit der sensiblen Coming-of- Age-Geschichte "Sommer am See", eine der besten Graphic Novels der letzten Jahre geschrieben. Hier packt sie nun, zu den Zeichnungen von Steve Pugh, gleich ein ganzes Bündel aktueller sozialer und kultureller Themen in ihren Comic: Gentrifizierung und Diversity, Rassismus und Konzernwillkür. Das ist ein bisschen viel des Guten, zeugt unterm Strich aber, wieder einmal, von der erstaunlichen, proteischen Wandlungsfähigkeit des Superhelden-Konzepts.

Mariko Tamaki: Harley Quinn - Breaking Glass. Aus dem Amerikanischen von Anne Thies. Panini Verlag, 2020. 212 Seiten, 16,99 Euro.

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Nicht fehlen darf in solch einer Reihe natürlich Batman. In "Night Walker" hat Bruce Wayne gerade erst seinen 18. Geburtstag gefeiert; bis er maskiert unterwegs ist, wird einige Zeit vergehen. Als er im Gefängnis Sozialstunden leisten muss, lernt er die dort inhaftierte Madeleine kennen. Sie ist Mitglied einer terroristischen Gang, die es auf die Upper Class der Stadt abgesehen hat. Bruce fühlt sich zu dem Mädchen hingezogen - aber kann er ihm vertrauen? Die Optik dieses Comics, mit dem Text von Stuart Moore und den Zeichnungen von Chris Wildgoose, ist vom Film Noir inspiriert; im Mantel einer Crime Story erzählt er in Wahrheit aber von der Aufregung und Unsicherheit, die mit erster Liebe verbunden sind (alle ab 14 Jahre).

Marie Lu: Batman - Nightwalker. Aus dem Amerikanischen von Anne Thies. Panini Verlag, 2020. 228 Seiten, 16,99 Euro.

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© SZ vom 31.07.2020

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