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Comic:Blueberry

(Foto: Verlag)

Was ist der beste Western-Comic aller Zeiten? "Blueberry", geschrieben von Jean-Michel Charlier, gezeichnet von Jean Giraud. 1963 lief die Serie im französischen Magazin Pilote an. Bis zum Tod von Charlier 1989 erschienen 26 Alben, danach machte Giraud tapfer alleine weiter; bevor er 2012 ebenfalls starb, kamen sechs weitere Alben hinzu. Außerdem gibt es noch den von verschiedenen Künstlern gestalteten Spin-off "Die Jugend von Blueberry". Im Laufe der Jahrzehnte ist das alles mehrfach auf Deutsch herausgekommen, erst in schäbigen, dann in anständigen Ausgaben. Nun ist eine neue Gesamtausgabe erschienen (Egmont Comic Collection). Der erste Band enthält die ganz frühen "Blueberry"-Abenteuer, die seit einer Weile nur noch antiquarisch zu haben waren.

Charlier war, als er "Blueberry" erfand, ein 39-jähriger Routinier, verantwortlich für Erfolgsserien wie "Buck Danny" und "Der Rote Korsar". Zu seinen Stärken zählte es, aus einem dünnen Ideenfaden solides Erzählgarn zu spinnen. So ist es auch hier: Es geht um einen Indianerkrieg im Südwesten der USA, ausgelöst dadurch, dass dem von Cochise geführten Stamm der Apachen ein mörderischer Überfall auf eine Farm in die Mokassins geschoben wird. Charliers Vorbild sind eindeutig die Kavalleriewestern von John Ford. Anders als die Figuren, die John Wayne dort verkörpert, ist der Leutnant Mike S. Blueberry aber ein junger Frechdachs, der nicht zufällig Jean-Paul Belmondo, einem der Idole der damaligen, zunehmend rebellischen Jugend ähnlich sieht.

Jean Giraud machte später unter dem Pseudonym Möbius psychedelisch erleuchtete Science-Fiction-Comics und stieg zu einem der Superstars seiner Zunft auf. Hier, am Anfang von "Blueberry", war er gerade 25 und noch ein Anfänger, der ganz im Bann seines Lehrmeisters Jijé stand. Genau das macht die Lektüre spannend, da man die immer schneller voranschreitende Entwicklung Girauds verfolgen kann. Er wird technisch sicherer, wagt sich an ein freieres Seitenlayout, und im letzten der drei hier versammelten Alben lässt sich, bei einem Kampf in einer Schlucht, schon ahnen, was für ein einzigartiger Landschaftszeichner er bald sein wird.