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Weihnachten II:Der Baum

Langlebig, zerlegbar, verstaubar und schamlos schön: Der Öko-Weihnachtsbaum der Architekten Mißfeldt/Kraß.

(Foto: Mißfeldt/Kraß)

Weihnachtsbäume sind unökologisch. Jetzt gibt es endlich Abhilfe: "Der Baum" ist wiederverwendbar, zerlegbar, verstaubar, handwerklich hochwertig und von dauerhafter Schönheit

Von Gerhard Matzig

Als schändlich galten in der Viktorianischen Epoche unter anderem auch Glücksspiele, Alkohol und eigentlich alles, was nach Vergnügung und nicht nach sonntäglicher Bibelexegese im Familienkreis aussah. Dem Fun war man generell abhold. Wie auch jetzt wieder in dieser staunenswerten Epoche der Lustfeindlichkeit: Flugscham, SUV-Scham, Fleischscham, Kohlendioxidausatmenscham, Kontaktscham - und: Sollte man sich nicht eigentlich auch für den Weihnachtsbaum als Inkarnation exzessiver Dekolust schämen? Unbedingt. Einerseits.

Andererseits geht einem ja diese unverschämte Dauerscham so dermaßen auf die Nerven, wenn nicht aufs Schambein, dass man glatt zu Glücksspiel, Alkohol und zur Lufthansa-App greifen möchte. Einfach aus Trotz und weil man findet, dass das Leben im Sichschämen nicht so wirklich zur Erfüllung kommt.

Aber tatsächlich darf man nun, ohne den klassischen Weihnachtsbaum zu inkriminieren, der klassischerweise ein abgesägter Baum ist, den man schon bald aus dem Fenster wirft, darauf hinweisen: Es gibt auch Weihnachtsbäume, die im Gegensatz zur Bio-Nordmanntanne tatsächlich langlebig und insofern auch schamkompatibel sind. Derzeit machen sich auffällig viele Architekten und Designer um die nachhaltige Kunst des wiederverwertbaren Weihnachtsbaumes verdient.

Aus FSC-zertifiziertem Holz und Messing ist zum Beispiel "der Baum" der Architekten Tobias Mißfeldt und Hauke Kraß (www.missfeldtkrassprodukte.de). Tobias Mißfeldt sagt: "Ausgangspunkt unserer Überlegung war nicht ein weiteres Accessoire für den Wohnbereich zu entwerfen. Vielmehr stand eine praktische Bereicherung mit atmosphärischem und ökologischem Vorteil im Vordergrund." Herausgekommen ist ein Weihnachtsbaum, der "zerlegbar, verstaubar, handwerklich hochwertig und von dauerhafter Schönheit" sein soll. Dem Weihnachtsfest als hedonistisch-exzessivem und garantiert antiviktorianischem Lustakt der puren Schamlosigkeit steht also nicht im Weg. Jedenfalls keine traurig vor sich hin nadelnde Tanne, die sich schon jetzt davor graust, die Tage des Friedens und der Freude sterbend am Straßenrand unter Resten von Lametta zu verbringen.

© SZ
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