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CD-Präsentation:Ohne Eitelkeit

Ludwig Seuss

Hier sitzt er mal ganz klassisch am Flügel: Ludwig Seuss spielt fast alles, was Tasten hat.

(Foto: Sascha Kletzsch)

Ludwig Seuss stellt sein neues Album vor

Der Blues in all seinen Schattierungen, das war schon immer das Ding des Münchner Pianisten Ludwig Seuss. Schon zu Schulzeiten am Pasinger Karlsgymnasium in der lokalen Kultband Creepy Layne, dann wurde er einer der "Magnets" des Rhythm'n'Blues-Oberzeremonienmeisters Nick Woodland - und bis heute Sideman der Spider Murphy Gang -, bevor es mit Bands unter eigenem Namen durch die Blues-Biotope ging, von Chicago über New York bis zu New Orleans. Vor allem der Südstaaten-Sound wurde sein Markenzeichen, nach wie vor ist Seuss am Akkordeon der konkurrenzlose Zydeco-Statthalter in Süddeutschland. Und lange Jahre war er neben Barbara Dennerlein auch die hiesige Ausnahmefigur an Hammond- oder Wurlitzer-Orgel; die Alben "Organized" von 1998 und "B3 Bounce" von 2008 zeugen davon.

Da hat Seuss inzwischen kräftig Konkurrenz bekommen, München hat sich still und heimlich zur Hammond-Hochburg gemausert. Neben Andi Kissenbeck als André Schwager sorgen dafür vor allem der New-York-Rückkehrer Matthias Bublath und der Vintage-Tastenwirbler Hansi Enzensperger mit seinem Trio Organ Explosion. Nun ist Seuss aber genau wie seine Kollegen herzlich uneitel; ihnen geht es nicht ums Ranking, sondern um die Musik. Und so kommt es auf dem neuen Album "Views of the Blues" zu einem beglückenden Hammond-Gipfeltreffen. Seuss, Enzensperger und Bublath sitzen bei jeweils drei Stücken an den Manualen.

Eine reine Orgel-Platte ist es, wie der Titel andeutet, trotzdem nicht. Seuss spannt den Bogen so weit wie noch nie. Das Repertoire reicht von der jazzigen Klaviernummer "Blues Orbit", bei dem sich Seuss von John Coltranes modalen Blues-Stücken und McCoy Tyners Quartakkorden inspirieren ließ, bis zu Thelonious Monks "Blue Monk" im Rumba-Groove eines Dr. John, aber erstmals in einer Hammond-Version. Vom Boogie-Blues-Tribute "Pallet On The Floor" an Jimmy Yancey bis zum Afro-Blues Abdullah Ibrahims ("Namhanje"). Vom Sechzigerjahre-Bluesrock (Freddie Kings "Funny Bone") bis zu Duke Ellingtons spirituellem Spätwerk "African Flower". Für Klangfarben sorgen außerdem nicht nur die Gäste an der Orgel: Leroy Jones steuert bei Seuss' flottem "Boogie #706" ein großartiges, abgedämpftes Trompetensolo bei; "Blues Orbit" und "Namhanje" sind schwer geprägt von Thilo Kreitmeiers Querflöte; verschiedenste Gitarrentupfer liefern Christoph Böhm, Victor Vollmer und einmal an der Lap Steel Nick Woodland himself. Für knackigen Chicago-Shuffle ist vier mal Peter Kraus am Schlagzeug zuständig, ansonsten liegt das Drum-and-Percussion-Fundament in den versierten Händen von Manfred Mildenberger, der zusammen mit Bassisten Tom Peschel auch für die Produktion verantwortlich zeichnet.

Es ist vielleicht wieder einmal Seuss' bestes Album. Und einiges davon wird man wahrscheinlich schon an diesem Samstag hören können, wenn Seuss zu seinem traditionellen Januar-Termin im Lustspielhaus aufspielt. Wie hoch es bei dieser Weihestunde der Münchner Blues-Szene hergeht, bei der fast immer auch illustre Gäste wie Dr. Will oder Günther Sigl hereinschneien, kann man auch dem Vorgänger-Album "Live im Lustspielhaus" entnehmen.

Ludwig Seuss & Band: "Views of the Blues" (Solid Pack Records), live: Samstag, 25. Januar, 20 Uhr, Lustspielhaus, Occamstraße 8

© SZ vom 25.01.2020
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