Burgbernheim:Am Wiesengrund

Fränkisches Mundart-Festival "Edzerdla"

Von Olaf Przybilla, Burgbernheim

Warum es das nicht schon längst gibt, weiß Helmut Haberkamm auch nicht recht zu sagen. Es gibt in Franken Festivals für Samba und afrikanische Musik, und der Trend zum Festival für Regionalkrimis scheint ungebrochen zu sein. Aber um die gesammelte fränkische Mundart hat sich bislang niemand gekümmert. Das macht an diesem Wochenende der Literat Haberkamm zusammen mit vier Mitstreitern. Und zwar im westmittelfränkischen Flecken Burgbernheim, wo sie eine Art Gesamtschau der fränkischen Mundartkunst versuchen. Das Festival heißt "Edzerdla". Ein emphatisch besetztes Wort, das der Mittelfranke immer dann hervorstößt, wenn etwas über einen enervierend langen Zeitraum auf sich warten hat lassen. Und es dann doch das Licht der Welt erblickt.

Der kleine Ort Burgbernheim, etwa 3000 Einwohner, liegt zwischen Bad Windsheim und Rothenburg ob der Tauber und Haberkamm macht keinen Hehl daraus, dass er zwar selbst in Mittelfranken lebt, diesen Ort aber auch noch nicht lange im Blick hat. Eine Wandertour mit seiner Clique, irgendwann sagt einer der Mitwanderer: Hier auf dieser Hochebene mit Streuobstwiese müsste man ein Festival ausrichten. Und als sie das dem Bürgermeister mitteilen, sagt der nicht: Was man nicht alles müsste. Sondern er fragt sinngemäß: wann? Es gibt Festivals in Franken, die werden von Fachfirmen für Atomkraftwerksbau gesponsert. Für Edzerdla hat Haberkamm eine regionale Brauerei, eine regionale Bäckerei, einen Bratwurstmacher und eine freie Tankstelle aufgetrieben. "Schon schön", sagt er.

Ein Querschnitt durch die Kunst ist das Ziel. Möglichst viele Sparten sollen bedient werden: Kabarett, Musik, Literatur, Theater. Es gibt Mundart von Leuten, die damit ihr Geld verdienen, und Mundart von Schülern. Debütanten sind eingeladen und Künstler, die inzwischen so ziemlich jeder kennt: Fitzgerald Kusz, Gankino Circus, Mia Pittroff. Pelzig, also Frank-Markus Barwasser, wäre die Krönung gewesen, sagt Haberkamm. Aber der macht gerade Pause. Dafür kommt Matthias Egersdörfer. Wohl dem, der solche Alternativen hat.

© SZ vom 18.06.2016
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