Bühne:Du Tier!

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Albees "Die Ziege" im Teamtheater

Von Petra Hallmayer

So oder so ähnlich stellen sich die meisten Menschen ein perfektes Leben vor. Der Architekt Martin Gray hat Erfolg im Beruf, eine glückliche Ehe und einen netten Sohn. Doch dann bringt die Liebe die Idylle zum Einsturz. Eigentlich sind die liberalen Wohlstandsbürger ja nicht so leicht zu schockieren. Dass Billy schwul ist, nehmen die Eltern gelassen hin. Dass Martin fremdgeht, amüsiert seinen ungeniert sexistischen Freund Ross (Manuel Castillo) nur. Bis er erfährt, an wen Martin sein Herz verloren hat: Die Schöne, deren Blick ihn verzaubert hat, ist eine Ziege.

Edward Albees Tragikomödie über die Grenzen bürgerlicher Toleranz "Die Ziege oder Wer ist Sylvia?" spielt im Teamtheater nicht in einer schicken Designerwohnung. Auf der Bühne stehen drei Hocker auf einem Podest, das von einem grünen Streifen umschlossen ist, der in nackte Erde übergeht, in der die zunehmend ihre Fassung verlierenden Figuren schließlich wühlen. Bernd Seidel wagt einen eigenwilligen Zugriff auf den Text, hat in die Inszenierung Verweise auf die unscharfe Trennlinie zwischen Zivilisation und Natur, Mensch und Tier eingewoben. Unvermittelt treten die Akteure aus ihren Rollen heraus, krümmen und verbiegen ihre Körper in konvulsivischen Zuckungen als wollten aus ihnen animalische Fabelwesen hervorbrechen.

Zumeist aber führen sie im Teamtheater brav die sich mit boulevardeskem Witz entfaltenden Ehe- und Familiendramen vor. Zwischen dem sanft trotzig von der Tiefe seiner Gefühle schwärmenden Martin (Patrick Gabriel), seiner zwischen Sarkasmus und zornigem Aufschrei schwankenden Frau Stevie (Sandra Heuer) und dem völlig überforderten Sohn Billy (Frank Rafael Bosse). Das zieht sich etwas trotz der gekonnt geschliffenen Dialoge, die mit einigen feinen Pointen auftrumpfen. Das blutige Finale, in dem Stevie ihre tierische Rivalin abschlachtet, hat Seidel gekappt. Seine Inszenierung fokussiert sich auf die Kritik an der Verlogenheit einer pseudoliberalen Gesellschaft, die er gegen Ende noch einmal mit dicken Ausrufezeichen versieht.

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