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Bücher:Junge Menschen

(Foto: Reclam)

Von Felix Stephan

Verlage sehen sich oft mit der Aufforderung konfrontiert, die Leser dort abzuholen, wo sie sind, als handele es sich um Taxi-Unternehmen. Am schönsten ist der Versuch, sich Personen vorzustellen, die im wirklichen Leben vorkommen, und denen dann ein Identifikationsangebot zu machen, gerade bei der Reclam-Reihe "Klassikerinnen neu entdeckt" missglückt, wo Romane von Marie von Ebner-Eschenbach oder Katherine Mansfield, die sich um Frauenschicksale drehen, mit Covern versehen wurden, die auf ihre eigene Art auch Schicksale sind. Junge Frauen sind dort zu sehen, die allesamt wirken, als wären sie eigentlich lieber woanders, und als würden sie sich in diesem Moment gerade gewahr, dass die Existenz als Klassikerinnen-Schmuckbild von Anfang an ein Missverständnis gewesen ist.

© SZ vom 10.08.2019

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