Buch Deutsche Literatur für Dummies

Repro: SZ

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Von Max Fellmann

"Elektrotechnik für Dummies", "BWL für Dummies", "Informatik für Dummies" - die Ironie der quietschgelbnotorischen Buchreihe war immer schon etwas aufdringlich, die Bücher sind ja oft deutlich besser als ihre Aufmachung. Klar, der Band "Erfolgreiche Geldanlage für Dummies" wird niemanden zum nächsten Warren Buffet machen, aber dann erscheint eben, gerade neu, so etwas wie "Allgemeinbildung deutsche Literatur für Dummies" und ersetzt mal eben weite Teile eines Germanistik-Grundstudiums. Am lärmigen Einband muss man es vorbeischaffen, dann nehmen einen die Autoren Tina Rausch und Ulrich Kirstein mit auf viele kleine Spaziergänge durch die deutsche Literaturgeschichte, mal entlang der Epochen ("Deutschland wird erwachsen - Gründerzeit"), mal orientiert an den Formen ("Die wichtigsten Begriffe, um Gedichte besser zu verstehen"), dann wieder in Kurzporträts ("Die Leiden der Jugend: Ulrich Plenzdorf"). Alles schnell und knapp, trotzdem präzise, immer kompetent. Klar, da bleibt vieles kursorisch, aber das ist ja das System des dreisten Unternehmens: die komplette deutsche Literaturgeschichte auf weniger als 500 Seiten? Geht eben doch! Der Witz liegt in der Atemlosigkeit, besonders unterhaltsam sind die "Schummelseiten" (Beispiel: "Die deutschsprachigen Nobelpreisträger" zum Ausschneiden) und der "Top-Ten-Teil" am Ende des Buchs ("Diese zehn Schriftsteller wurden (von uns) zu Unrecht vergessen"). Und falls der eine oder andere NdL-Dozent jetzt die Nase rümpft: Bitte mal kurz überlegen, wie viel leichter das letzte Proseminar gelaufen wäre, wenn alle Erstsemesterstudenten vorher dieses Buch durchgearbeitet hätten. Na? Genau. Übrigens werden hier nicht nur Studenten, sondern auch andere ... ach, am besten lässt sich das mit einer kurzen Schummelliste sagen: Menschen, für die sich dieses Buch hervorragend eignet - 1. Abiturienten am letzten Abend vor der Deutsch-Prüfung, 2. Lesemuffel, die zum Essen bei bibliophilen Freunden eingeladen sind, 3. SZ-Autoren, die sich nicht schämen, ihr angestaubtes Uni-Wissen diskret aufzufrischen.