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Bildband:Selbstbewusst

Porträts der Bewohner des Omo-Tals am Turkansee, dem größten Wüstensee der Erde und gleichzeitig die Wiege der Menschheit.

Von bernd graff

Der Turkansee ist der größte Wüstensee der Erde. 290 Kilometer lang ist er. Der größte Teil liegt in Kenia, im Norden gehört er zu Äthiopien. Einer der größten Flüsse dieses Landes speist den See, der Omo. Ein langer Fluss, der sich seinen Weg durch das völlig abgelegene Omo-Tal gegraben hat. Es gilt als die Wiege der Menschheit.

Seit man hier in den Jahren 1896 und 1902 prähistorische Fossilien gefunden hat, Steinrelikte und Werkzeuge, versteht man mehr von der frühesten Entwicklungsgeschichte des Homo sapiens in Afrika. 1980 hat die Unesco das Omo-Tal darum zum Weltkulturerbe erklärt, weil es "keinem Ort der Erde vergleichbar ist, da nur hier so viele Volksstämme über Jahrtausende hinweg einen solch kleinen Raum bevölkert haben." Das Omo-Tal hat immer noch eine gewisse Abgeschiedenheit bewahren können. Heute leben hier etwa 200 000 Menschen, die zu 15 verschiedenen Stämmen und Kulturen gehören. Doch die jahrtausendelange Abgeschiedenheit löst sich langsam auf. Zwar gibt es keine Geschäfte hier, und auch Geld spielt keine Rolle.

Doch findet man inzwischen immer mehr Mobiltelefone, Touristen bereisen die Region fast schon komfortabel. Aus dem Sudan und Somalia gelangen immer mehr Kalaschnikows in das Gebiet, es ist zudem durch den Bau des Gibe-III-Staudamms bedroht.

Der Fotograf Ken Hermann und die Journalistin Suzette Frovin bereisen das Omo-Tal seit 2011. Sie reisen mit aufwendigen Fotoapparaten und Beleuchtungsgeräten, um die Menschen in ihren unterschiedlichen Kulturen und Gebräuchen möglichst perfekt zu porträtieren. Diesen Porträts, die gleichermaßen Ruhe und Würde, Selbstbewusstsein wie Stolz ausstrahlen, hat der Verlag "Edition Panorama" einen beeindruckenden Bildband gewidmet, der gewissermaßen die letzten Blicke auf diese gefährdeten Kulturen und ein unvergleichliches Ökosystem eingefangen hat. Ob die junge Frau vom östlichen Stamm der Karo oder der Mursi-Vater mit seinem Kind noch in ein paar Jahren dort leben können, wo die Menschheit vor 130 000 Jahren ihren Ausgang nahm, ist ungewiss.

Ken Hermann: Im Tal des Omo. Die Wiege der Menschheit. Edition Panorama 2014. 231 Seiten, 45 Euro.

© SZ vom 11.08.2015
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