Bildband Nicht mit einem Knall, sondern mit Gewimmer

Der Fotograf Daniel Biskup hat in seinen Fotografien die Verwandlung der Sowjetunion festgehalten.

Von Sonja Zekri

Wir wissen nicht, wie die Welt endet, aber zumindest der Untergang der Sowjetunion vollzog sich frei nach den Worten des amerikanischen Dichters T. S. Eliot nicht mit einem Knall, sondern mit einem Wimmern. Am 25. Dezember vor 25 Jahren trat der sowjetische Präsident Michail Gorbatschow zurück, die rote Fahne über dem Kreml wurde durch die russische ersetzt. Vorausgegangen war der Putschversuch im August - begrenzte Konflikte und grenzenloses Elend folgten. Der Fotograf Daniel Biskup hat in seinem gewaltigen Bildband "Russland - Perestroika bis Putin" (Verlag Salz und Silber, 288 Seiten, Augsburg 2016, 44,50 Euro) jede Phase dieser Verwandlung festgehalten: Moskauer Geschäfte, die im Hinterzimmer Mangelwaren boten (oben) und in den Schaufenstern die Embleme des Imperiums (Mitte), Bilder von Gemeinschaften wie im Studentenwohnheim im ukrainischen Lwiw (unten), westliche Werbung, erste Sowjetnostalgie, Aufnahmen eines jungen Mannes in schlecht sitzenden Anzügen namens Wladimir Putin. Aus heutiger Sicht ist Russland in einem autokratischen Kontinuum gefangen. Biskups Bilder aber und die Texte der zehn Künstler über den Untergang der Sowjetunion auf dieser Seite erinnern an Tage, in denen die Geschichte ihren Lauf wechselte und das Undenkbare geschah. Und weil gerade so viel geklagt wird über das Ende der vertrauten, beherrschbaren Welt: Epochenwechsel sind Bewährungsproben - für jede Generation.