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Bildband:Die Welt à la carte

Der Band "Schaubilder und Schulkarten" erinnert an eine Zeit, als die wichtigen Dinge des Lebens noch auf zwei mal drei Meter passten.

Eine Schulkarte aus dem Jahr 1890: "Hauptformen der Erdoberfläche".

Worunter litten die Schulkinder um 1900? Natürlich, unter der "Bilderflut". "Tafelwerke aller Tendenzen, Gütegrade, Größen und Herstellungsorte überschwemmen den Markt", so klagte damals ein Rezensent von Schulkarten. Deutschland war führend in der Produktion von Bildtafeln für Schulen, die aus der Buchillustration entstanden waren, mit der Entwicklung der Drucktechnik an Fahrt gewonnen hatten und sich nun zur visuellen Überforderung steigerten. War ein Spaziergang in der Natur nicht lehrreicher als die Betrachtung der "Hauptformen der Erdoberfläche", einer Karte aus dem Jahr 1890, die Wüste, Gletscher und Inseln auf fantastische Weise zusammenrückte? Vielleicht. Aber spätestens in den Sechzigern dürfte es kaum ein deutsches Klassenzimmer ohne die dunkel raschelnden Rollbilder gegeben haben.

Inzwischen werden sie gehandelt und gesammelt, und wer den Band "Schaubilder und Schulkarten" auf sich wirken lässt, den Ina Katharina Uphoff und Nicola von Velsen herausgegeben haben (Prestel Verlag, München 2018, 200 Abb., 240 Seiten, 40 Euro), begreift, warum.

Maschinenwesen wie "Der Mensch als Industriepalast" von 1920, zarteste Querschnittszeichnungen vom Flachs, Salze und Laugen, ein Atomkraftwerk, der damals noch kinderleicht verständliche "Kreislauf des Gelds- die Darstellungen waren dem Gemälde so nah wie der Grafik und beschwören nicht nur die bodenständige Ästhetik analoger Weltbeschreibungen herauf, sondern eine Welt, die überhaupt beschreibbar war, auf maximal zwei mal drei Metern, zwischen schwarzen Stäben, abwaschbar. Die sich einrollen und verstauen ließ. Bis zur nächsten Stunde.