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Bayerische Könige:Musik mit Max

Wie musikalisch waren die bayerischen Könige Ludwig I., Maximilian II. und Ludwig II.? Und welche Politik trieben sie in Sachen Musik? Ein Band der Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte gibt detailliert Auskunft.

Von Rudolf Neumaier

Die Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte ist arg in Verzug geraten. Soeben ist das dritte Heft des Jahrgangs 2014 jenes Fachorgans erschienen, das zuvor zu den akkuratesten und pünktlichsten Periodika der Geschichtswissenschaft gehört hatte. Neu ist bei der ZBLG aber nicht nur ihre Säumigkeit, sondern auch ihre Themenmischung. Die einstige Wundertüte an Aufsätzen aus allen Epochen, Forschungsgebieten und Winkeln des Landes serviert nun Schwerpunkte: Ferdinand Kramer, Chef der landesgeschichtlichen Kommission an der Akademie der Wissenschaften, will mit Themenheften "Ergebnisse von wissenschaftlichen Fachtagungen" integrieren, wie er schreibt. Mit König Maximilian II. untersucht das 2014er-Abschlussheft eine interessante Figur.

Interessant an diesem Monarchen sind vor allem die Facetten, die mancher Autor noch an ihm entdeckt, angefangen von zwei fulminanten Texten Hermann Rumschöttels - und aufgehört mit einem trotz seiner hohen Wissenschaftlichkeit erheiternden Beitrag von Hartmut Schick. Der Münchner Musikwissenschaftler nimmt "Musikalische Impulse eines unmusikalischen Königs" unter die Lupe. Max II., der Sohn von Ludwig I. und Vater Ludwigs II., regierte von 1848 bis zu seinem plötzlichen Tod im Jahr 1864. Er gilt als der am wenigsten kunstbeflissene dieser drei bayerischen Könige. So unmusikalisch er war, so geschickt wusste er aber die Musik für seine Propaganda einzusetzen.

Maximilian tat sich als großer Bayerntümler hervor: Auf seine Initiativen geht die Trachtenkultur ebenso zurück wie die Volksmusikpflege. Wie nun aber Hartmut Schick feststellt, stammte ein Teil Volksmusik schon damals aus der Retorte - wie die seichten Weisen, mit denen sich heute samstagabends unter dem Label Volksmusik das Fernsehpublikum bedudeln lässt. Viel von dem, was Max seinen Bayern in gedruckten Heften als herkömmliche, tief in der Volksseele wurzelnde Musik zum Singen verteilen ließ, war in Wahrheit frisch komponiert und gedichtet. Sein Wittelsbacher-Verwandter Herzog Max in Bayern, der als Zithermaxl in die Geschichte einging, hatte eine Reihe von volkstümlichen Liedern geschaffen - Jodler inklusive.

Tradition war immer schon das, was ein Staatsoberhaupt zur Tradition erklärte. Folklore war Mittel zum Zweck - und der lautete Corporate Identity. Überall auf dem Land waren unliebsame Moden aufgekommen, die nicht zur weißblauen Staatsharmonie passen wollten. Die Schuld daran gaben Max' musikalische Berater den Postillionen, die Donizetti-Arien schmetterten, wenn sie durch die Dörfer zogen. Belcanto statt Hollareiduljö und Hmtata - König Maximilian ließ sich zu einem leitkulturellen Gegenprogramm überreden und oktroyierte ganzen Landstrichen Liedgut, das dort völlig unbekannt war. Auch die Militärkapellen, bei denen sich zum Leidwesen der Hofschranzen neben italienische Melodien "parfümierte Polka's und Mazurka's" ins Repertoire geschlichen hatten, mussten sich nun von der "modischen Kunstmusik" verabschieden und Märsche schmettern, die klanglich "dem nationalen Charakter des Heeres" entsprachen.

Immerhin konnte sich der König für Wagner begeistern - "wobei er sich hier ausnahmsweise mal mit seinem Sohn Ludwig einig war", schreibt Schick. Den "Lohengrin" soll Max sich fast zehn Mal angeschaut haben - aber eher wegen des "romantisch-mittelalterlichen Sujets" als wegen der Musik. Nebenbei erfahren die Leser, dass der große Wagner-Förderer Ludwig II. genauso unmusikalisch war wie sein Vater. Er konnte eine Beethoven-Sonate nicht von einem Johann-Strauss-Walzer unterscheiden.

© SZ vom 01.04.2016

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