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Ausstellung:Klassischer Dietl

Eine Schau im Münchner Literaturhaus widmet sich dem Schaffen des Regisseurs Helmut Dietl, inklusive eines Bewerbungsschreibens seines "Monaco Franze" .

Die Serie "Kir Royal" endet 1986 mit einer dieser Helmut-Dietl-Szenen, die man nicht mehr vergisst. Da haucht Senta Berger als aufstrebende Sängerin Mona "Somewhere Over The Rainbow" in der Münchner Lach- und Schießgesellschaft ins Mikrofon, die Kamera aber bleibt hinter der Bühne bei dem Mann, den sie gerade verlassen hat: Franz Xaver Kroetz als Klatschreporter Baby Schimmerlos. Drinnen Beifall und Jubelschreie, für Mona wird ein neues Leben beginnen. Aber Baby kann nicht mehr Teil davon sein. Die Bühnentür fällt ihm vor der Nase zu . . .

Zwanzig Jahre nachdem dieses Finale im Fernsehen lief, hat Dietl die Geschichte von Mona, Baby, dem treuen Fotografen Herbie Fried und anderen seiner Figuren fortgeschrieben. Dabei entstand unter anderem der Text, den wir hier abdrucken. Ursprünglich sollten diese bösen Miniaturen über Lebenslügen, Älterwerden und unerfüllte Träume die Grundlage für einen neuen Fernsehmehrteiler sein, der aber nicht mehr zustande kam. Nur sehr wenig davon fand noch den Weg in seinen letzten Spielfilm "Zettl".

Jetzt aber kann man sich diese Texte von Martina Gedeck und Heiner Lauterbach vorlesen lassen, in der Ausstellung "Der ewige Stenz. Helmut Dietl und sein München", die am Donnerstag im dortigen Literaturhaus eröffnet. Die von Claudius Seidl kuratierte Schau bietet ein Fülle neuer Details zur posthumen Dietl-Mania - etwa einen Filmausschnitt aus der O.- W.-Fischer-Schnulze "Verträumte Tage" von 1951, in dem Dietl als sauber gescheitelter Knabe einen Kurzauftritt hat, oder einen in Diktion und Verschrobenheit schlicht sensationellen Brief des späteren "Monaco Franze"-Darstellers Helmut Fischer, mit dem sich dieser - gänzlich unaufgefordert - als Darsteller bei Dietl bewirbt.

Die Ausstellung ist eine schöne Ergänzung zu Dietls gerade erschienenen, unvollendeten Erinnerungen "A bissel was geht immer". Und sie zeigt, dass im Universum dieses großen Menschenkenners eben nicht alles gut wird. "Natürlich hätte aus Mona auch eine wirkliche Sängerin werden können", sagte Dietl zur Premiere von "Zettl". "Für mich fühlte sich das aber nicht richtig an."