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Ausstellung:"Archaischer Minimalismus"

(Foto: Petra Rainer)

Es ist ein Glücksfall, dass die Ausstellung des Bildhauers Herbert Meusburger an einem Ort in Vorarlberg stattfindet, der selbst zu einer Pilgerstätte für Architekturinteressierte geworden ist

Von Alexandra Föderl-Schmid

Es gibt auch Gutes an der Pandemie. Für den österreichischen Künstler Herbert Meusburger, 67, war es bitter, dass die im Frühjahr geplante Ausstellung im Museum Ursino im sizilianischen Catania nicht nur verschoben, sondern abgesagt worden ist. Er hatte monatelang an neuen Werken gearbeitet. Aber es ist ein Glücksfall, dass diese Ausstellung nun an diesem Ort stattfindet, der selbst zu einer Pilgerstätte für Architekturinteressierte geworden ist: Das Bürohaus 2226 des Architektenduos Baumschlager Eberle in Lustenau im Bundesland Vorarlberg. Denn der 2013 als Firmensitz fertiggestellte Bau erbringt den Beweis, dass ein modernes, mehrstöckiges Bürogebäude ohne Heizung, Lüftung und Kühlung funktioniert und die Raumtemperatur stets zwischen 22 und 26 Grad gehalten werden kann - daher der Name.

Diese lichte, helle Umgebung bietet den idealen Raum für die von einer stark architektonisch-konstruktivistischen und abstrakt reduzierten Formensprache geprägten Arbeiten des Bildhauers, der 21 neue Steinarbeiten zeigt: Würfelskulpturen und Stelen. Bei vielen dieser Werke bildet das grüne Gestein Serpentinit das Grundmaterial, das dann mit Granit oder Marmor aus allen Teilen der Welt, von Brasilien über Iran bis Italien, kombiniert wird. Der Künstler verbindet damit auch eine politische Botschaft. Die Behandlung des Steins lenkt den Blick auf die Strukturen und schafft so eine besondere Ästhetik. Meusburgers Skulpturen sind von großer Präsenz und Tiefe, er selbst beschreibt seinen Stil als "archaischen Minimalismus".

Die Corona-Krise hat auch zu einer künstlerischen Weiterentwicklung geführt in Form von 40 skulpturalen Schiffsknoten, die in der Ausstellung zu sehen sind gemeinsam mit mehreren Gemälden.

Meusburger war nach Arnulf Rainer der zweite Österreicher, dessen Werke in der Pinakothek der Moderne in München ausgestellt wurden, und auch die Architekten Baumschlager Eberle waren dort mit einer Werksschau vertreten. Nun finden ihre Arbeiten zusammen und ergänzen sich auf wunderbare Weise. Solche Ausstellungen und Bauten wieder besuchen zu können, beschert Glücksmomente in Zeiten wie diesen.

© SZ vom 10.10.2020

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