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Hilfsauktion:Kunst und Kalauer

Die "Direkte Auktion" will nächste Woche in Berlin dem von Corona gebeutelten Kunstbetrieb der Stadt unter die Arme greifen

Von Peter Richter

Mit der Kunst ist es manchmal wie mit den Wortspielen: je einfacher und überraschender, desto wahrer und schöner. "Art aber fair" zum Beispiel. Am Ende wird es sich sogar lohnen, einen der Kataloge zu ergattern, mit denen sie jetzt in Berlin für die große Versteigerung werben, die sich Holm Friebe - von Beruf Direktor der Zentralen Intelligenz Agentur, Strategieberater und nicht zuletzt großer Poet - zusammen mit der Künstlerin Bettina Semmer und etlichen Mitstreitern aus dem Berliner Kunstbetrieb ausgedacht hat, um genau dessen Betriebsangehörigen in der Corona-Krise unter die Arme zu greifen.

Der Titel lautet, natürlich: "Direkte Auktion" - schon weil es schließlich die syndikalistischen Theoretiker der "Direkten Aktion" waren, die gelehrt haben, die Dinge lieber selbst in die Hand zu nehmen als beim Warten auf Hilfe zu verhungern. "Sozialismus mit den Mitteln des Kapitalismus" versprechen also die Organisatoren und haben zusammen mit dem Berliner Auktionshaus Jeschke Van Vliet eine Direktversteigerung organisiert, von der ausnahmsweise mal nicht die Kunstbesitzer, sondern die Künstler selbst profitieren sollen - und zu einem Teil auch die beteiligten Kuratoren. Die haben nämlich sehr sachkundige Einzelsektionen zusammengestellt, und so gibt es insgesamt so gut wie alles Mögliche: Malerei, Grafik, Fotografie, Objekte, sogar Drehbücher von Quentin Tarantino, angeblich original am Set benutzt.

So namhafte Künstler wie Jorinde Voigt, Gregor Hildebrandt oder Pola Sieverding liefern direkt aus ihren Ateliers. Der namhaftete Nichtkünstler Rafael Horzon stellt den Prototyp seines berühmten "Redesigndeutschland-Stuhls" zum Verkauf, und wem eher nach Altmeistern wie Neo Rauch, Günter Fruhtrunk, Banksy oder Kippenberger der Sinn steht: Auch die sind zu haben. Denn darin besteht immer noch das Kerngeschäft von Auktionshäusern: Sammler zu überreden, sich von ein paar schönen Stücken auch wieder zu trennen. Aber nur hier geschieht das unter einer Überschrift, die es selbst schon wert wäre, ersteigert und zu Hause an die Wand gehängt zu werden: "Ist Kunst und kann weg."

(26.-28.11. www.jvv-berlin.de/direkteauktion)

© SZ
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