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Archäologie:Erika Simon gestorben

Erika Simon, Archäologin

Die von ihrem Fach begeisterte Archäologin Erika Simon wurde 1927 geboren und war lange Zeit die erste Frau auf einem deutschen Lehrstuhl ihres Fachs.

(Foto: Universität Würzburg)

Die von ihrem Fach begeisterte Archäologin Erika Simon wurde 1927 geboren und war die erste und dann lange Zeit die einzige Frau auf einem deutschen Lehrstuhl ihres Fachs. Jetzt ist sie im Alter von 91 Jahren gestorben.

Von Johan Schloemann

Eine wunderschöne antike Vase: darauf gemalt der Weingott Dionysos mit seiner angeheiterten Entourage. Noch eine: Sie zeigt einen etruskischen Dämon in der Gestalt eines Wolfes - Totenkult. Und noch mehr Vasen mit Bildern von Tanz, Theater, Erotik, Erziehung, Krieg und Sport. Hier setzt beim normalen Betrachter meist schon die Ermüdung ein. Man sieht nämlich vor sich nicht mehr das interessante Einzelstück, sondern ein endloses, verstaubtes Antiquarium. Und unterdrückt höflicherweise ein Gähnen.

Ganz anders ist der Blick einer Archäologin wie Erika Simon, die jetzt am 15. Februar im Alter von 91 Jahren gestorben ist. Sie kannte und liebte jedes einzelne Stück, jede einzelne Scherbe. Und sie wollte und konnte andere mit dieser Neugier anstecken, für die Kunstwerke, aber auch für deren kulturellen Zusammenhang. Von 1964 bis 1994, war Erika Simon als Professorin an der Universität Würzburg aktiv. In der Bundesrepublik der Nachkriegszeit war sie die erste Frau auf einem Lehrstuhl für Klassische Archäologie und jahrzehntelang auch die einzige.

Wer sich mit der Kunst der Griechen, Etrusker und Römer beschäftigt, begegnet Erika Simon auf Schritt und Tritt. Man pilgert in der Ewigen Stadt zwischen Vatikan und Kapitol und liest ihre Beiträge im "Helbig", dem "Führer durch die öffentlichen Sammlungen klassischer Altertümer in Rom". Man will die antike Religion verstehen: dann stößt auf man auf unzählige Einzelstudien von Erika Simon sowie auf das zehnbändige Bildlexikon der Mythologie ("LIMC"), erarbeitet wurde, von einem großen Forscherteam, das sie maßgeblich mitlenkte. Simons Themen reichen von der "heroischen" Bronzezeit bis zur "dekadenten" Spätantike - Klischees, die sich bei einem genauen Blick, wie sie ihn hatte, relativieren. Auch die antiken Bezüge in Renaissance und Barock untersuchte sie, von Donatello bis Tiepolo.

Am 27. Juni 1927 wurde Simon in Rheingönheim bei Ludwigshafen geboren, wo einst ein römisches Kastell lag; in den Fünfzigern startete sie mit innovativen Studien zur Geschichte des Opfers und zur Kunstpolitik unter dem ersten römischen Kaiser Augustus.

Die Antikensammlung in der Würzburger Residenz, die Erika Simon geleitet und mit ihren Analysen und Erwerbungen zu weiterem Ruhm gebracht hat, lässt zum Abschied mitteilen: "Ihr kluger Rat und ihre Freude am Schönen werden uns fehlen."

© SZ vom 25.02.2019
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