Alben des JahresWahrheitsfindung zwischen Tinder, Gott und der Crew

So widersprüchlich - und zwar im allerbesten Sinne - war Popmusik schon lange nicht mehr. Wir verneigen uns vor Billie Eilish, "Deichkind", Solange, Ebow, "Vampire Weekend" und ein paar mehr.

J-Zbel - "Dog's Fart Is So Bad The Cat Throws Up" (Brothers from different Mothers)

Der Titel lässt tatsächlich kein sehr schlaues Meisterwerk vermuten - in seiner Anspielung auf ein virales Video im Netz wird er aber der Herangehensweise der drei stets anonymen jungen Menschen aus Lyon durchaus gerecht: "Dog's Fart Is So Bad The Cat Throws Up" (Brothers from different Mothers) ist ein fantastisch-irres Referenzgewitter aus Nullerjahre-Videospielen, Memes, frühem Acid Trance und Jungle. Der Ernsthaftigkeit der älteren Herrschaften im Techno, die sich ihre Studios mit Edelholz auskleiden und bei einem Glas Wein drei Stunden lang über den besten Röhren-Kompressor monologisieren können, setzen J-Zbel eine charmante Zufälligkeit entgegen: So verspielt wie ein Jugendlicher, der sich früh morgens stoned durch Youtube-Videos klickt, dabei eben mal kurz bei einem Rave in Manchester 1992 aufschlägt, dann bei einen Vortrag von Lacan landet und direkt danach bei geschmacklich grenzwertigen Haustier-Filmchen. Dass aus diesen Zutaten nicht halbwitziger Trash, sondern sehr hörenswerte, intelligent produzierte Nummern entstanden sind, ist ein kleines Wunder 2019. Von Quentin Lichtblau

Bild: Brothers from different Mothers 27. Dezember 2019, 05:472019-12-27 05:47:58 © sz.de/biaz