Schwesta Ewa - "Aywa" (Alles Oder Nix Records/Chapter One)

Es beginnt mit einem Geständnis. "Meine Leute wollen ein Statement/ Meine Anwälte sagen ich soll die Fresse halten/ Aber scheiß drauf". Auf "Aywa" (Alles Oder Nix Records/Chapter One) erzählt Schwesta Ewa die wirklich wahre Geschichte hinter den Boulevardschlagzeilen. Oder das, was sie für die wirklich wahre Geschichte hält. Von der Festnahme wegen Verdachts auf Menschenhandel, Zuhälterei und Steuerhinterziehung über die Untersuchungshaft in der JVA Frankfurt Preungesheim bis zur Verurteilung zu zweieinhalb Jahren Gefängnis. Und das droht ihr bald: "Ich war lange weg/ Und verdammt, bald bin ich wieder lange weg." Deshalb jetzt schnell noch zwischen U-Haft und Knast eine Platte rausgehauen. Die ist richtig real und klingt doch fake. Über blechern-dünne Beats klappert Schwesta Ewa ihren Neonreklamen-Rap herunter. "Ich bin schuldig der Körperverletzung/ Schuldig der Steuerhinterziehung". Ein paar Nutten geklatscht, ja, aber mit Menschen gehandelt? Niemals. Die Polizistinnen, die sie observierten, seien doch nur neidisch. Oder hätten schlechten Sex. "Aywa" zeigt damit die Wirkmacht und das Dilemma von Deutschrap. Die Wahrheit wird nicht im Gerichtsaal verhandelt, sondern auf Instagram. Von Julian Dörr

Bild: Alles Oder Nix Records/Chapter One/Universal 1. Juni 2018, 05:102018-06-01 05:10:40 © SZ vom 30.05.18/SZ.de/doer/biaz