Aphex Twin - "Collapse" (Warp Records)

Die Tragik der Avantgarde: Da kann einer etwas wirklich Bahnbrechendes schaffen, aber wenn er es bis in alle Ewigkeit wiederholt - dann ist es irgendwann bloß noch alt. Richard James hat unter dem Namen Aphex Twin Großes vollbracht, er hat im unwegsamen Gelände zwischen Drum 'n' Bass, Ambient und atonalem Experiment Räume geschaffen, Unerhörtes komponiert, Monsterklänge mainstreamfähig gemacht. Aber was sollte er danach tun? Plötzlich Easy-Listening-Alben aufnehmen? Eine Metal-Band gründen? Nein, er macht natürlich weiter Aphex-Twin-Musik. Auf der neuen EP "Collapse" (Warp Records) zirpen und zurpen also wieder die Synthesizer, Drumcomputer drehen durch wie gestochene Stiere. Sobald sich Ansätze von Struktur zeigen, treten sie sofort wieder die Flucht an. Die Stücke tragen wie üblich krude Namen, "MT1 t29r2" oder "abundance10edit[2 R8's, FZ20m & a 909]", immerhin, zum Teil sind da die verwendeten Geräte rauszulesen, etwa das Casio-Keyboard FZ20. Und manche Momente sind interessant und vielschichtig, aber eben eher etwas für 1998 als für 2018. Von Max Fellmann

14. September 2018, 05:132018-09-14 05:13:56 © SZ.de/doer