Alben der WocheNeun von zehn Integrationsbambis auf der Deutschrapskala

Xatar artikuliert sich so distinkt, dass man ihn jederzeit als Lehrer für eine Berliner Schule empfehlen würde. Und ein Album aus dem Nachlass von Prince scheitert großartig.

Xatar - "Alles oder Nix II" (Chapter One)

Xatar, seines Zeichens Rapper, ist hauptsächlich dafür bekannt, mal einen Goldtransporter überfallen zu haben. Er ging dafür ins Gefängnis, das Gold blieb verschollen. Sein neues Album "Alles oder Nix II" (Chapter One) ist der Soundtrack zu den Schießereien und Razzien in Neukölln. Wenn die mafiatechnisch genauso sauber-deutsch sind wie Xatars Produktion, muss sich Andreas Geisel als Senator für Inneres und Sport in Berlin warm anziehen. Denn Xatar redet auf dem Album wie der Dax-Manager unter den Drogendealern. Die Beats sind ohrenschmeichelnd komprimiert und seine Texte so distinkt artikuliert, dass man ihn jederzeit als Quereinsteiger für die nach Lehrern lechzenden Berliner Schulen empfehlen würde. Ein paar Arabismen gibt es dann doch, damit man nicht etwa denkt, er sei Biodeutscher, wo doch sonst alles so wertgearbeitet ist. Stellenweise hat Xatar geradezu hölderlinsche Genitivmetaphern drauf, im ersten Track des Albums dagegen ist er so mit seinem harten Schicksal beschäftigt, dass er beim Rappen ab und zu den Rhythmus und das Reimen vergisst. Insgesamt Top Album, unbedingt zu empfehlen als Soundtrack für eine Zeichentrickadaption von Four Blocks für den Kinderkanal. Kann man auch sofort 9 von 10 Integrationsbambis auf der Deutschrapskala verleihen. Von Juliane Liebert

Bild: Chapter ONE / Universal Music 21. September 2018, 05:002018-09-21 05:00:48 © SZ.de/doer