Alben der WocheNachhaltige Fan-Verstörung

"Alle Farben" macht Musik für den Tomatensaft-Rausch, Juju Proll-Rap fürs Herz. Die "Eagles of Death Metal" machen sich zu den Trotteln, die sie schon immer waren, und Noel Gallagher, Madonna und Bruce Springsteen altern unterschiedlich gut.

Bonaparte - "Was mir passiert" (Columbia d/Sony Music)

"Wann ist ein Mann ein Mann?", fragt Tobias Jundt - und ergänzt die klassische Zeile sofort um die Frage "Wann ist eine Frau eine Frau?" Grönemeyers Hit ist jetzt 35 Jahre alt, aber plötzlich steht der Ohrwurm in neuem Kontext, und man fragt sich, hätte der Text nicht eigentlich immer schon so lauten müssen? So was kann Jundt, der seit Jahren als Bonaparte Berlin unsicher macht, gut: bekannte Versatzstücke von früher so einsetzen, dass daraus etwas ganz Heutiges entsteht. Er kann das sogar mit Menschen - im Song "Big Data" überlässt er Farin Urlaub und Bela B je eine Strophe, und so wie hier hat man die beiden Ärzte noch nie gehört. Von der punk-nahen Überdrehtheit, für die man Bonaparte - vor allem live - liebt, ist auf dem neuen Album "Was mir passiert" (Columbia d/Sony Music) nichts zu hören, stattdessen Gemurmel und versonnene Lebensbetrachtungen, Jundt singt darüber, wie er wartet, "dass der Sinn des Lebens mir begegnet". Am schönsten wird's, wenn er für "Dene wos guet geit" die Sängerin Sophie Hunger zum Duett bittet, zwei Schweizer unter sich. Manche der Songs sind an der Elfenbeinküste entstanden, gut zu hören, afrikanische Rhythmen, perlende Gitarren, immer etwas Fernweh drin, bis hin zum sonnenuntergangswarmen Abschluss "Is OK (Lieben For Life)". Von Max Fellmann

14. Juni 2019, 05:122019-06-14 05:12:41 © SZ vom 12.06.2019/biaz