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SZ-Werkstatt:Zwischen den Welten

Xaver Bitz ist Newsredakteur zwischen den Zeitzonen. Von Portland, Oregon aus sichtet er die Nachrichten, koordiniert die Recherchen der Kollegen in Asien und Amerika und sorgt dafür, dass die SZ-Homepage auch nachts aktuell bleibt.

Wenn sich der Uhrzeiger im SZ-Hochhaus in München der 0-Uhr-Marke nähert, beginnt der Arbeitstag in Portland. Allerdings ist es in Oregon an der Westküste der USA dann erst kurz vor 15 Uhr. Der Grund für diesen Außenposten: Das weltweite Nachrichtenkarussell dreht sich 24 Stunden lang, kennt keinen Feierabend, keine Nachtruhe. Dem trägt die SZ natürlich auf der Homepage Rechnung.

Xaver Bitz

Xaver Bitz verstärkt aus Portland, Oregon das SZ-Newsdesk. Nicht so leicht, mit neun Stunden Zeitverschiebung private Kontakte zu Hause zu pflegen.Wichtige europäische Themen behält der Politikwissenschaftler aber im Blick.

(Foto: Natalie Neomi Isser)

Bevor in Deutschland frühmorgens die ersten Nachrichten aus Asien bekannt werden, haben die SZ-Korrespondenten vor Ort meist einen langen Arbeitstag hinter sich. Welche neuen Protestaktionen gibt es in Hongkong, wie reagiert die Regierung in Peking auf die Kritik aus aller Welt an ihrem Vorgehen? Und wie reagieren im Zweifel die wichtigsten Börsen in Shanghai, Tokio und eben Hongkong auf diese News? Über all diese Entwicklungen halten die Kollegen mich auf dem Laufenden.

Von Portland aus, mit neunstündiger Zeitverschiebung zu Deutschland, durchforste ich zudem die Agenturen nach News, prüfe diese und stelle Relevantes auf die SZ-Homepage, während in München, Berlin, Europa noch Nacht ist. Das Mehrquellenprinzip ist natürlich auch hier oberste Pflicht. Ausnahmen, wie etwa verifizierte Tweets von US-Präsident Donald Trump, bestätigen die Regel. Der Mann löst mit seinem Twitter-Account ja gerne mal diplomatische Krisen aus oder verschiebt wirtschaftliche Gleichgewichte in ganzen 280 Zeichen, und zwar egal, wo er sich gerade aufhält. Das lässt zugegeben wenig Raum, sich darauf einzustellen, auch in Portland nicht, wo derselbe Arbeitstag gerade erst anfängt, wenn in Asien Tiefschlafphase ist und in Deutschland die Fernseh-Primetime beginnt.

So bin ich auch Ansprechpartner für Kollegen, die nachts in Deutschland unterwegs sind und aktuelle Features, Reportagen oder etwa TV-Kritiken liefern. Wenn dann gegen sechs Uhr in München der Arbeitstag im SZ-Turm anfängt, bekommen die Kollegen aus Portland Informationen über die Ereignisse der Nacht - und, ganz wichtig: einen Ausblick, worauf sie sich in den kommenden Stunden nachrichtlich einstellen können.