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SZ-Werkstatt:Unter Akteursverdacht

Österreich-Korrespondent Peter Münch über die Folgen der Ibiza-Affäre für die eigene Arbeit und die Schnelllebigkeit im laufenden Wahlkampf.

Als SZ-Korrespondent in Wien bin ich seit ein paar Monaten immer mit einem Bein auf Ibiza, allerdings nicht unbedingt auf der Sonnenseite. Die Veröffentlichung des Strache-Videos durch die Süddeutsche Zeitung und den Spiegel hat die österreichische Innenpolitik durcheinandergewirbelt, und die Folgen des Skandals - vom Rücktritt des Vizekanzlers über den Bruch der ÖVP-FPÖ-Koalition bis zur Neuwahl an diesem Sonntag - bestimmen die Berichterstattung. Das ist spannend, aber bisweilen auch sumpfig und schweißtreibend. "Selber schuld", höre ich dann oft in Wien, "schließlich habt ihr unsere Regierung gestürzt."

Die einen meinen das mit dem Regierungssturz als lobende Anerkennung, die anderen eher als Beschimpfung. Auf beiden Seiten ist es ein Missverständnis, und meine Antwort darauf lautet stets: Das waren nicht wir, das haben die schon selbst gemacht. Wir haben nur enthüllt und berichtet.

Verhindern lässt es sich freilich trotzdem nicht, als Korrespondent plötzlich von manchen nicht mehr als Beobachter, sondern als Akteur gesehen zu werden. Meine Anfragen an die FPÖ zum Beispiel werden seit der Ibiza-Affäre gerne mal nicht beantwortet. Aber auch das wird sich wohl irgendwann wieder legen - schon allein deshalb, weil bald alle nur noch über den nächsten Skandal reden.

Denn aller Aufregung zum Trotz ist leider mit einer gründlichen Aufarbeitung der Ibiza-Vorfälle kaum zu rechnen. Die Zeiten sind schnelllebig, und die FPÖ-Anhänger sind offenbar sehr vergesslich. Das habe ich gelernt, als ich nach einer FPÖ-Wahlkampfveranstaltung mit einem älteren Herrn ins Gespräch kam. Den Ex-Innenminister Herbert Kickl fand er klasse, und auch Norbert Hofer hat er sehr gelobt. Als er dann hörte, dass ich von der SZ komme, da hat er kurz innegehalten. Und dann hat er gesagt: "Ja, die Süddeutsche, das ist auch eine gute Zeitung. So wie die Frankfurter."

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