SZ-Werkstatt Scotts Weisheit

Stefan Ulrich, Leiter des Meinungsressorts der SZ.

(Foto: Sz/wochit)

Fakten sind heilig, Meinung ist frei. Diesen Leitsatz des britischen Verlegers C.P. Scott nimmt die SZ sehr ernst. Um Meinung und Nachrichten noch deutlicher voneinander abzugrenzen, hat sie einige Änderungen vorgenommen. Welche, erklärt Stefan Ulrich.

Fakten sind heilig, Meinung ist frei - der Satz des 1932 verstorbenen britischen Verlegers C. P. Scott ist wichtiger denn je. Fake News, Social Media und versteckte Wahlbeeinflussung durch fremde Staaten machen es immer schwerer, zwischen Tatsachen und Meinungen zu unterscheiden. Das Gerede von "Alternativen Fakten" suggeriert, Schwarz könne auch Weiß sein und eins plus eins drei. Diese Art Relativitätstheorie zersetzt die öffentliche Debatte. Wenn sich die Bürger auf keine Faktenbasis mehr verständigen können, wie sollen sie dann noch miteinander diskutieren?

Die SZ nimmt den Leitsatz Scotts sehr ernst. Dazu gehört es, Meinungen klar zu kennzeichnen und verschiedene Ansichten zu Wort kommen zu lassen. Wir haben daher 2018 ein eigenes Meinungsressort gegründet. Der Meinungsseite auf der Seite 4 der Printausgabe, auf der Redakteurinnen und Korrespondenten kommentieren, haben wir freitags und samstags eine Seite 5 zur Seite gestellt, auf der Kolumnisten und Gastautorinnen publizieren. Auf unserer Website sind Kommentare nun durch das rot unterlegte Wort "Meinung" gekennzeichnet. Zudem werden online alle Kommentare in einem Meinungsbereich gebündelt. So soll deutlich werden: Hier folgt kein Nachrichtenartikel, sondern eine persönliche Bewertung.

Wir halten pointierten Meinungsjournalismus für so wichtig, weil er hilft, eine komplizierte Lebenswelt zu deuten. Meinungsjournalismus darf aber kein Kampagnenjournalismus sein. Das heißt: Er soll zur politischen Debatte beitragen, ohne selbst Politik zu machen. Die SZ gibt daher keine Wahlempfehlungen ab. Sie ist stolz auf ihren Binnenpluralismus, druckt also auch einander widersprechende Kommentare. Sei es zur Zukunft des Autos, zur Euro-Rettungspolitik, zum Verteidigungshaushalt oder zur Politik des französischen Präsidenten Macron. Den Kommentatoren der SZ wird keine "Linie" vorgegeben, weder von der Chefredaktion noch von Regierenden oder Wirtschaftsführern. Das Grundgesetz ist das Maß aller Dinge, auch bei Meinungsartikeln.