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SZ-Werkstatt:Das Streiflicht

Hilmar Klute verantwortet die älteste und wohl bekannteste Zeitungskolumne im Land. Das Geheimnis, wer da was schreibt, lüftet er zumindest ein bisschen.

Hilmar Klute

Hilmar Klute, gebürtig in Bochum, kam nach dem Studium in München auf verschlungenen, aber im Groben zielführenden Pfaden zum Streiflicht, das er mit anderen zusammen lebendig hält und seit 2010 auch verantwortet.

Wer schreibt das Streiflicht? Dietmar Utesch, Darmstadt

Das Streiflicht ist - seit mehr als siebzig Jahren - der Text, der die Lektüre der Süddeutschen Zeitung eröffnet. Es ist damit die dienstälteste und bekannteste Kolumne in der deutschen Zeitungslandschaft. Eine Glosse, die derart vollgepackt ist mit Tradition und Geschichte, muss sich schon aus Gründen der Selbstbehauptung möglichst um Leichtigkeit, Unterhaltsamkeit und Aktualität bemühen, denn Denkmäler haben es in unseren Tagen ja eher schwer. Weil das Streiflicht anonym erscheint, ranken sich um seine Entstehung Legenden, die eigentlich zu schön sind, um sie durch kalte Tatsachen zu entzaubern. Weil es aber so viele Leserfragen rund um das Streiflicht gibt, soll hier von einer Gruppe von fünf bis sechs regelmäßigen Autorinnen und Autoren die Rede sein. Jede/r ist am Schreibtag auf die eigenen Fähigkeiten zurückgeworfen. Niemand steht ihnen beim Schreiben zur Seite, nur der fertige Text wird gründlich redigiert. Jeden Morgen machen die Teilnehmer der kurzen, aber meist lustigen Konferenz - die in letzter Zeit häufig über Whatsapp tagt - aus, wer über welches Thema schreibt. Es soll dabei immer um Ereignisse oder Phänomene aus dem richtigen Leben gehen, denn das Streiflicht ist - ungeachtet seiner spielerischen Art - ein journalistischer Text und sollte entsprechend einen harten nachrichtlichen oder mittelharten philosophischen Kern ummanteln.

Der oder die für den Schreibtag Erwählte ist notgedrungen ins Gelingen verliebt, denn es gibt kein Netz, also nix auf Halde. Weil das so ist, schreiben im Streiflicht Leute, die sich schon eine gute Weile in dieser Form geübt haben, denn es gehört neben einer Messerspitze Genie vor allem eine großzügige Prise Routine und Schreiberfahrung dazu. Die muss man natürlich erwerben, und deshalb zeigt sich das Streiflicht jedem Redakteur, jeder Redakteurin, die es ausprobieren möchten, aufgeschlossen. Denn das Streiflicht versteht sich - das Kürzel SZ vor dem ersten Satz belegt es - als Gemeinschaftsleistung der gesamten Redaktion. KLUT

© SZ vom 01.08.2020

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