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Strommarkt:Sinn und Unsinn von Kundenboni

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Wer wegen Boni häufig den Stromanbieter wechselt, wird gerne mal abgelehnt. So eine Hopperei verursache Kosten, die dann die Verbraucher selbst zahlen müssten, warnt ein Leser. Das System entlarve sich.

Zu "Streit um Bonushopper" vom 9. März:

Ein gutes Geschäft ist stets für beide Seiten fair. Ein Bonushopper dagegen verschafft sich einen persönlichen Vorteil zu Lasten des Anbieters - und der anderen Kunden. Ist es da nicht das berechtigte Interesse des Anbieters, solche "Geiz ist geil"-Experten nicht als Kunden zu haben? Ich finde schon seltsam, dass Verbraucherzentralen und Datenschutz dazu dienen sollen, Verhalten zu begünstigen, das eher verwerflich ist. Wer "guter Bonität" ist, könnte sich doch bei der Wahl des Stromanbieters etwa von der Frage leiten lassen, was der Energiewende und dem Klima nutzt, das wäre eher im Sinne der Allgemeinheit.

Bernhard Waldmüller, Espelkamp

Dass sich Stromanbieter - ähnlich wohl auch Gasanbieter - über Bonushopper ärgern, kann ich verstehen. Genauso ärgere ich mich als Kunde über die Anbieter und ihre Preispolitik: Neukunden werden umworben, bevorzugt und begünstigt. Als Bestandskunde falle ich aber hinten runter, werde nicht wertgeschätzt und muss die Zeche für alle mitbezahlen. Inzwischen ärgere ich mich nicht mehr, sondern freue mich jährlich über großzügige Boni und über die freundliche Begrüßung des neuen Anbieters, in der er seine große Freude ausdrückt, mich als neuen Kunden begrüßen zu dürfen.

Heinrich Schulze, Alfeld/Leine

Der Umgang der Stromanbietern mit den Wechselkunden illustriert die Sinnlosigkeit der dominierenden volkswirtschaftlichen Theorien. Der Homo oeconomicus handelt stets rational und verfügt über sämtliche dafür notwendigen Informationen. In der Realität kommt das praktisch nicht vor. Und wenn doch, wie hier bei den stets wechselnden Stromkunden, werden sie paradoxerweise vom Markt ausgeschlossen. Denn die Stromanbieter locken mit Prämien und zeitlich begrenzten Vergünstigungen, um langfristig hohe Preise durchzusetzen. Homines oeconomici können sie da natürlich überhaupt nicht gebrauchen.

Volker Eckert, Essen

Im Sinne der Verbraucher würde ich es begrüßen, wenn man sich einmal grundsätzliche Gedanken darüber machen würde, wie sinnvoll so ein Bonussystem überhaupt ist. Es liegt doch auf der Hand, dass ständiger Anbieterwechsel zusätzliche Arbeit bedeutet und damit zusätzliche Kosten. Die Rechnung kann gar nicht aufgehen. Anders gesagt: Die Hopperei geht letztlich auf Kosten aller Verbraucher. Mit der ständigen Aufforderung zu schauen, wo etwas kostengünstiger zu haben ist, werden Menschen noch mehr auf ihre Verbraucherfunktion reduziert. Das kann nicht unser erstrebenswertes Ziel sein.

Ute Kratzer, München

© SZ vom 23.03.2021
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