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Medizinstudium:In der Praxis zeigt sich der gute Arzt

Nein, beste Abiturnoten allein genügen nicht. Ob jemand wirklich als Mediziner geeignet ist, erweist sich vor allem in einem Probejahr oder einem ausgeübten Pflegeberuf, meinen SZ-Leser.

Hausärztin untersucht Patienten

Nicht nur abhören, sondern auch den Patienten zuhören: Das sollte können, wer als Mediziner kranken Menschen wirklich helfen will.

(Foto: Benjamin Ulmer/dpa)

"Neue Wege zum Medizinstudium" vom 20. Dezember:

Probejahr als Pflicht

Um die Berufseignung für den Arztberuf zu ermitteln, reichen weder die Abiturnoten noch irgendwelche Prüfgespräche aus. Die späteren Ärzte müssen im Wesentlichen mit Menschen umgehen wollen und können. Das kann man nur in der Praxis erproben. Ein Jahr als Pflege-Assistent in einem Krankenhaus oder Pflegeheim würde da viel Klarheit schaffen. Die Studienbewerber wüssten danach besser, ob sie wirklich ihren Wunschberuf ansteuern. Die Zulassungskommission erführe mehr über die Eignung der Bewerber, als sie durch Gespräche je erfahren kann. In Prüfgesprächen kann ein Prüfling viel vortäuschen, zumal, wenn er darauf trainiert wird. Ein Praxisjahr liefert da schon ein ehrlicheres Ergebnis. Das Medizinstudium ist zu teuer und die Gesundheit der Menschen zu kostbar, als dass man nicht alles daransetzen sollte, sie den geeignetsten Menschen anzuvertrauen.

Dr. Max Schulz-Stellenfleth Krummendeich

Uneinheitliche Noten

Ihre Berichterstattung über das Numerus-clausus-Urteil ist hervorragend. Und als eine der ganz wenigen Zeitungen führen Sie im Wirtschaftsteil sogar die Noteninflation beim Abitur als einen Grund an. Das Urteil muss dieses Thema nicht berücksichtigen. Es ist wohl aber die Frage erlaubt, warum es zu dieser Klage gekommen ist. Der Ursprung des Problems findet sich in genau diesen riesengroßen Unterschieden zwischen den Abiturnoten. Diese Unterschiede sind zwischen den Bundesländern, zwischen einzelnen Regionen, ja gar zwischen zwei Schulen in einer Stadt zu finden. Teilweise sind sie eklatant und unerklärlich. Wir arbeiten in unserem Institut für Bildungs- und Karriereberatung im Jahr mit Tausenden Schülern in der Berufs- und Studienwahl zusammen, bundesweit. Die Unterschiede sind nicht nur teilweise erschreckend. Das ist die "Wurzel allen Übels". Das Problem ist nicht die Art und Weise der Auswahl der Studierenden für einen Studiengang. Wenn die Auswahlkriterien erweitert werden, ist das eine Maßnahme, die das nachzuholen versucht, was das System Schule mit einem klaren einheitlichen Bewertungsmaßstab wesentlich besser machen könnte. Dann wäre so manche Ungerechtigkeit, die es bei der Beurteilung von Schülern oder Studienplatzbewerbern gäbe, nicht "einklagbar".

Lutz Thimm, Schwerte

Chancen auch für Pfleger

Was wäre, wenn auch durchschnittliche Abiturnoten zum Medizinstudium qualifizieren würden, wenn sie durch einen hervorragenden Abschluss in einem pflegerischen oder therapeutischen Beruf ergänzt würden? Das würde das spätere Miteinander in Krankenhäusern, Heimen, Sozialstationen verändern, das Image der Pflegeberufe verbessern und einem eklatanten Fachkräfte- und Männermangel dort entgegenwirken. Diese Zugangsmöglichkeiten würden vor allem aber auch den zweiten Bildungsweg befeuern - ausgezeichnete Pfleger/innen und Therapeuten/innen würden ermutigt, ein Abitur dranzuhängen, bei dem sie keine utopischen Noten bringen müssten. Aber unser Gesundheitssystem bekäme eine andere Note!

Alexander v. d. Marwitz, Luzern/Schweiz

Mehr Studienplätze schaffen

Der Ärztemangel in Deutschland und die jetzt durch das Urteil des Bundesverfassungsgericht ausgelöste Diskussion und die Stellungnahmen von Seiten der Kultusminister zum Numerus clausus zeichnen ein sehr trauriges Bild. Es zeigt die Unfähigkeit der Regierenden, die Probleme unseres Landes zu lösen. Dieses Thema müsste auch ein Thema der Koalitionsverhandlungen sein. In der Presse wurden auch die Zahlen von Studienplätzen und Bewerbern genannt. Wenn ich den Ärztemangel sehe und erfahre, dass 9000 Studienplätze 50 000 Interessierten gegenüberstehen, dann frage ich, warum man nicht deutlich mehr Studienplätze schafft, um dem Ärztemangel zu begegnen. Es müsste doch möglich sein, analytisch zu ermitteln, wie viele Ärzte erforderlich sind, und entsprechend dem Bedarf auch Studienplätze zu schaffen. Für mich ist erschreckend, dass die Politik hier nicht längst die Weichen anders gestellt hat.

Klaus Jansen, Gerolstein

© SZ vom 08.01.2018

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