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Impfung:Ohne Schutz keine Kita

Wenn Eltern ihr Kind nicht impfen lassen wollen, sollen sie auch keinen Anspruch auf einen Kitaplatz haben.

"Tödlicher Irrtum" vom 29. Mai:

Vergebliche Liebesmüh

Werner Bartens schreibt bezogen auf eine Maserninfektion, es sei nicht vernünftig, die Krankheit "durchzumachen", wie Impfgegner behaupten. Vernunft ist bei Impfgegnern vergebliche Liebesmüh, wie ich aus zahllosen Gesprächen, die ich in den letzten Jahren in der Praxis geführt habe, erfahren musste. Diese Gespräche sind genauso sinnlos, wie einen evangelikalen Christen von der Evolutionstheorie überzeugen zu wollen. Rationale Argumente oder "Vernunft" sind nicht zielführend. Impfgegner leben im Prinzip auf Kosten der Gesellschaft, weil sie selbst von den vielen Geimpften profitieren und gleichzeitig die Ausrottung der Kinderkrankheiten durch ihr Verhalten verhindern. Nachdem sich kein Politiker den Schuh anziehen wird, eine allgemeine Impfpflicht einzuführen, weil es ein Eingriff in die Grundrechte wäre, gibt es im Prinzip nur eine Lösung: ohne vollständigen Impfschutz kein Kindergarten- oder Kitaplatz.

Dr. med. Richard Essler, Kissing

Aberwitzige Empfehlungen

Es wird immer Unverbesserliche und Verschwörungstheoretiker geben, die sich gegen jegliche Impfungen stemmen. In den sozialen Netzwerken ist die Stimmung sehr emotional und aufgeheizt. Dabei könnte ein Großteil (nicht alle!) der Impfgegner leicht überzeugt werden: Die Ständige Impfkommission (Stiko) macht einen entscheidenden Fehler, indem sie es einfach zu weit treibt. Eine Empfehlung, Säuglinge gegen Hepatitis B impfen zu lassen, ist aberwitzig und bagatellisiert die tatsächlich so wichtigen Impfungen. Hepatitis B tritt in Deutschland praktisch kaum auf und ist neben unsauberen Piercing- und Tattoonadeln hauptsächlich durch ungeschützten Geschlechtsverkehr in afrikanischen und asiatischen Ländern übertragbar. Wenn ein Säugling diesen Ansteckungswegen ausgesetzt ist, dann ist Hepatitis B wohl das geringste Problem dieses Babys. Eine solche Empfehlung ist Futter für die Impfgegner, das diese dankbar annehmen. Die Stiko sollte die wirklich wichtigen Impfungen empfehlen und auf schwachsinnige Empfehlungen verzichten. Dann wäre auch der Wind aus den Segeln der penetranten Impfgegner genommen.

Björn Friedrichs, Neubiberg

© SZ vom 13.06.2017
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