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Impfen:Es könnte so einfach sein...

..., meinen Befürworter des Impfens. Impfkritiker dagegen zweifeln und hadern und sehen ihre Position in Artikeln nicht detailliert genug dargestellt.

"Stark durch Viren" vom 30. September/1. Oktober:

Licht ins Dunkel bringen

Ja, es ist eine absurde Situation, in die Eltern geraten, die sich zum Thema selbst informieren wollen: Die Recherche weckt Zweifel, ja, man findet unseriöse, weltverschwörerische, einseitige Informationen - aber auch seriöse Quellen, die Fragen aufwerfen. Wie etwa können denn die Masern durch Impfungen ausgerottet werden, wenn immer wieder auch zweimal Geimpfte daran erkranken? Antworten auf solche Fragen gibt es nicht. Langzeitstudien zu Wirkung und Nebenwirkungen von Impfungen fehlen anscheinend ebenso wie moderne Studien zur Gesundheit von Geimpften und Ungeimpften, offensichtlich bestehen Interessenskonflikte bei Meinungsführern ..., doch all das erweckt nicht die Skepsis, nicht einmal die professionelle Neugierde Ihrer Autorin. Warum recherchiert sie nicht die Quellen, auf die sich die befragten Eltern berufen? Warum kommt kein impfskeptischer Experte zu Wort? Warum werden nur falsifizierbare Behauptungen (Verdienst der Ärzte an Impfungen) geprüft, nicht jedoch verifizierbare Fakten (zum Beispiel Interessenskonflikte innerhalb der Ständigen Impfkommission Stiko)? Licht ins Dunkel bringt das nicht. Valerie Laubenheimer, Nürnberg

Zutiefst unsolidarisch

Leider vergessen Impfgegner immer wieder, dass sie beziehungsweise ihre Kinder durch die sogenannte Herdenimmunität, die dadurch entsteht, dass sich mindestens etwa 95 Prozent der Bevölkerung gegen von zu Mensch zu Mensch übertragbare Erkrankungen (Masern, Röteln, Mumps, Polio, Diphtherie, Hepatitis B&C, Keuchhusten, Pocken, HPV, Varizellen, Meningokokken) impfen lassen, geschützt werden. Man kann glauben, was man will - vor allem im postfaktischen Zeitalter. Wenn man dies aber - zutiefst unsolidarisch - auf dem Rücken aller anderen auslebt, die sich impfen lassen und sich den damit verbundenen (geringen) Risiken aussetzen, macht mich das wirklich ärgerlich. Dadurch, dass die dauerhaften Schäden einer durchgemachten Erkrankung (Beispiel: Röteln-Embryopathie in der Schwangerschaft) in unserer Gesellschaft wegen der durch die Impfungen bedingten geringen Fallzahlen nicht mehr öffentlich sichtbar werden, wird die Gewichtung hinsichtlich Gefahr durch Erkrankung beziehungsweise Impfung völlig verzerrt.

Lassen sich alle impfen, können Erreger und damit Erkrankungen und dauerhafte Folgeschäden mangels Erregerreservoir sogar völlig ausgerottet werden; als Beispiel dienen Pockenerkrankung, Polio (fast) und Masern in den USA.

Somit hintertreiben Impfgegner durch ihr Verhalten letztendlich ihre eigenen Ziele, nämlich Impfungen gänzlich zu vermeiden - und zwar für alle. Die Prosperität unserer westlichen Gesellschaften beruht doch auch auf den großen Erfolgen von Impfungen, wer dies nicht glaubt, sollte sich vielleicht einmal die Existenz von Menschen der Zweiten und Dritten Welt anschauen, die häufig durch vermeidbare Krankheiten in ihren Entfaltungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind. Dr. Verena Adelberger, Mannheim

© SZ vom 11.10.2017
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