Häusliche Pflege:Gerecht und unerschwinglich

Hinweis

Leserbriefe sind in keinem Fall Meinungsäußerungen der Redaktion, sie dürfen gekürzt und in allen Ausgaben und Kanälen der Süddeutschen Zeitung, gedruckt wie digital, veröffentlicht werden, stets unter Angabe von Vor- und Nachname und dem Wohnort.

Schreiben Sie Ihre Beiträge unter Bezugnahme auf die jeweiligen SZ-Artikel an forum@sz.de. Zu Artikeln, die im Lokal- und Bayernteil der SZ erschienen sind, senden Sie Ihre Meinung gerne direkt an forum-region@sz.de.

Bitte geben Sie für Rückfragen Ihre Adresse und Telefonnummer an. Postalisch erreichen Sie uns unter Süddeutsche Zeitung, Forum & Leserdialog, Hultschiner Str. 8, 81677 München, per Fax unter 089/2183-8530.

Seit häusliche Pflege durchweg mit Mindestlohn bezahlt werden muss, wissen viele Familien nicht mehr, wie sie Betreuung finanzieren sollen. Ein Leser fordert deutlich höhere Beiträge zur Pflegeversicherung.

Zu "Zukunft Alter" vom 10./11. Juli:

Das Erbe darf keine Rolle spielen

Herr Prantl hat recht damit, dass es kein ganzheitliches umfassendes Konzept für die Pflege gibt und dass die Politik nur auf die Heime blickt. Aber das Urteil des Bundesarbeitsgerichts finde ich im Gegensatz zum VDK sehr richtig und wundere mich, dass es so lange gedauert hat. Seit Jahren gibt es diese Grauzone mit den Pflegern aus dem Osten. Ich habe selbst solche Pflegerinnen und deren Situation in den Familien erlebt und war erschüttert. In meinen Augen sind das moderne Sklaven, die ohne Pause 24 Stunden, sieben Tage die Woche durcharbeiten. Kein deutsches Arbeitsgesetz würde das erlauben.

Natürlich machen das viele Angehörige aus Verzweiflung, aber schauen wir mal genau hin. Meine Mutter bekam Grundsicherung und lebte in einer Einzimmerwohnung. Sie hätte nie solch eine Betreuung zu Hause haben können. Entweder hätte ich die 24-Stunden-Pflege übernommen oder sie hätte ins Heim gemusst. Wer bedauert all diese armen Rentner, die keine Pflegerin aus dem Osten anstellen können?

Es war doch bisher schon eine Zweiklassen-Gesellschaft, nur wohlhabende Rentner oder deren Angehörige konnten sich das System mit Pflegerinnen aus dem Osten leisten. Zudem sagen mir Angehörige offen, dass es ihnen auch vorrangig um das Erbe geht, das bei einem Heimaufenthalt geschmälert wird. Aber was ist falsch daran? Haben Angehörige ein Recht auf ein Erbe? Ist es die Aufgabe der Steuerzahler, die Pflegekosten zu übernehmen, damit mehr Geld für die Kinder der zu Pflegenden übrig bleibt? Meine Schwiegermutter hat vom Erlös ihres Hauses die Zusatzkosten fürs Heim gezahlt, jetzt erben die Kinder, was übrig blieb. Mein Mann und ich finden das völlig richtig!

Herta Brydon, Erding

Es war doch besser, wie es war

Es soll niemand ausgebeutet werden, aber mit dem Geld von circa 1200 bis 1500 Euro, das die osteuropäischen Pflegekräfte bis zu diesem Urteil jetzt mit nach Hause nehmen konnten, hatten sie die Möglichkeit, durch die Kaufkraft-Unterschiede mehr damit anfangen zu können, als mit einem Gehalt, das sie für dieselbe Arbeit im eigenen Land bekamen. Kost und Logis hatten sie hier sowieso frei. Sicher war es in manchen Fällen mehr, als ein Handwerker oder Akademiker im eigenen Land verdiente, und es kamen viele und viele auch gern.

Daher: Warum hat man es nicht so gelassen, wie es war, es lief doch. Nun sollen die Familien und ihre Pflegebedürftigen zehn bis 14 Stunden für die offenstehende Tür täglich mit dem Mindestlohn für einen ganzen Monat, also 9,50 mal 14 = 133 mal 30 Tage = 3990 plus Sozialabgaben zahlen. Das ist mehr, als die meisten Menschen hierzulande verdienen. Häusliche Pflege ist damit für die meisten Bürger unfinanzierbar geworden.

Astrid Posegga, Berg

Höhere Pflegebeiträge nötig

Warum machen wir uns nicht endlich ehrlich und bekennen uns zu wesentlich höheren Pflegeversicherungsbeiträgen? Diese müssen zur Finanzierung einer menschenwürdigen Pflege und für eine menschenwürdige Bezahlung der Pflegekräfte ausreichen. Dann gibt es eben kleinere Autos und weniger zu vererben. Wer die Beiträge nicht aus seinem Einkommen zahlen kann, muss aus Steuergeldern unterstützt werden.

Jochen Gottlieb, München

© SZ vom 02.08.2021
Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema

Süddeutsche Zeitung
  • Twitter-Seite der SZ
  • Facebook-Seite der SZ
  • Instagram-Seite der SZ
  • Mediadaten
  • Newsletter
  • Eilmeldungen
  • RSS
  • Apps
  • Jobs
  • Datenschutz
  • Kontakt und Impressum
  • AGB