Guttenberg Unverdiente Aufmerksamkeit

Karl-Theodor zu Guttenberg ist wieder da - und scheidet die Geister. Auf dem Gillamoos wurde er von bayerischen Fans begeistert empfangen, SZ-Leser aber zweifeln: Ist er wirklich der Hoffnungsträger, den Horst Seehofer in ihm sieht?

"Hier bin ich" vom 5. September, "Ein sehr engagierter Bürger" und das "Traumschiff der CSU" vom 1. September:

Einmal Blender...

Auf der Titelseite ein großes Bild von Guttenberg, auf Seite Drei ein großer Artikel über Guttenberg (incl. weiterem Foto) und im Bayernteil ein Bericht über das Gillamoos-Volksfest (natürlich auch mit Guttenberg). Können Sie den Lesern vielleicht erklären, durch welche Leistungen sich dieser Herr in den letzten Jahren so qualifiziert hat, dass man ihm diese Aufmerksamkeit schenken muss? Ich freue mich schon auf die SZ-Artikel in den nächsten Monaten oder Jahren, in denen sich die Autoren ganz ungläubig fragen, wie es so einem Blender schon wieder gelungen ist, eine steile politische Karriere zu machen. Allerdings muss man der SZ zugutehalten, dass wenigstens im Bayernteil der treffende Kommentar zur Guttenberg-Werbung im Hauptteil steht. "In der öffentlichen Wahrnehmung wirkt es so, als sei der Auftritt eines Mannes ohne Amt ein Weltereignis." Wie kommt es nur zu dieser "öffentlichen Wahrnehmung"?

Paul Wiegand, Vilshofen

Hoffnungsschimmer

Bedeutet das Bild auf der Seite eins, dass der durchschwitzte und unrasierte Freiherr Karl-Theodor von und zu Guttenberg seinen Hut nimmt und von der politischen Bühne abtritt? Hoffentlich!

Hans-Joachim Feiner, Stephanskirchen

Wenig Neues

Wer Karl-Theodor zu Guttenberg live auf dem Gillamoos erlebte, registrierte einen Ex-Politiker, der offenbar täglich an seiner Reputation arbeitet. In welch zukünftiger Rolle, darüber hüllt sich der frühere CSU-Bundesminister wohlweislich noch in Schweigen. In offenkundiger Absprache mit Parteichef Horst Seehofer werden derzeit erst einmal Zugkraft und Marktwert des einstigen Hoffnungsträgers getestet. In Abensberg gab Guttenberg den Welterklärer, zeigte sich dabei als Meister der Koketterie und der populistischen Demut. Pendelnd zwischen Effekthascherei und Anbiederung an das bierselige Publikum. KT wollte die Bedeutungsschwere seiner Rede, garniert mit häufigen rhetorischen Kunstpausen, kundtun als auch Szenenbeifall provozieren. Doch der blieb weitgehend aus, vernahm man doch bis auf einige bemühte Gags wenig Neues. Da nützte es auch wenig, im Redefluss abwechselnd beide Saalhälften zu fixieren. Effekthascherei nennt man das landläufig. Je länger die eineinhalbstündige Rede dauerte und dauerte, desto matter reagierte mit Ausnahme einiger Allgemeinplätze zur Flüchtlingsthematik das Publikum. Guttenberg hatte wohl die eigenen Chancen auf Bundesebene im Blick, als er resümierte, in der Außenpolitik sei es ein langer Weg.

Jochen Freihold, Berlin

Wichtiger als die Wahrheit

Besten Dank für den Artikel von Roman Deininger und Wolfgang Wittl zu der Vorbereitung der CSU, Herrn Guttenberg wieder in Position zu bringen. Als ich zu den Landtagswahlen in Bayern aus Ihrer Zeitung hörte, dass Herr Guttenberg wieder im Wahlteam von Herrn Seehofer mitarbeitet, wusste ich schon, dass uns diese Situation mit der wohl noch folgenden Präsentation dieses Mannes nicht erspart bleiben wird. Weshalb ich sage, dass ich solch einen Mann nicht mehr an der Spitze unserer Volksvertreter gestellt haben möchte, liest sich so: Wenn ein ausgereifter Mann in seiner Rolle als Verteidigungsminister und als Vertreter der BRD dieser Nation über TV in die Augen blickend ohne ein Muskelzucken im Gesicht auf die Frage: "Ist diese Arbeit ganz von Ihnen erstellt?" mit "Ja!" antwortet, dann hat er als Person, dann hat er als Funktionsträger gelogen. Für mich stellt sich diese Lüge als eine Stellungnahme dieses Mannes dar, die ganz klar aussagt, mir ist mein äußeres Erscheinungsbild wichtiger als die Wahrheit. Ich kann einen Mann als obersten Entscheidungsträger in einer Regierung nicht gebrauchen, der evtl. nicht in der Lage ist, eine Entscheidung zu treffen, die ihn vielleicht noch nicht mal als gut erscheinen lassen würde.

Werner Jasper, Delmenhorst

Glaubhaft im Zögern

Was um alles in der Welt macht bloß Herrn Guttenberg zu einem Hoffnungsträger? Er hat als Wirtschaftsminister (wie viele seiner Vorgänger und Nachfolger) nichts Substantielles geleistet und als Verteidigungsminister (ebenfalls wie viele seiner Vorgänger und Nachfolger) einen Scherbenhaufen angerichtet und hinterlassen. Dass er besser reden kann als etwa Stoiber oder Merkel, macht ihn bestenfalls zu einem rhetorischen Ausnahmetalent. Glaubhaft ist er in seinem Zögern, ein Amt wie das des CSU-Vorsitzenden und/oder Bayerischen Ministerpräsidenten zu übernehmen. Er ist doch immerhin intelligent genug zu erkennen, was er sich damit antun würde: Spektakuläre Inszenierungen allein wie seinerzeit mit Gel im Haar und im Safari-Look werden seine - vor allem innerparteilichen - Gegner und Konkurrenten nicht ruhig stellen und seine begeisterten Wähler und Parteifreunde auf die Dauer nicht überzeugen.

Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Heilmann, Berlin