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Greta Thunberg:Wie Worte wirken

Die Rede der Umweltaktivistin vor der Uno hat viele SZ-Leser beeindruckt. Ein Schreiber findet Gretas Aussage, man habe ihr die Kindheit gestohlen, unpassend. Im Vergleich mit Kindern, die im Krieg aufwuchsen, sei das übertrieben.

Zu "Die größte Bühne", 25. September:

Ich halte die Wutrede Greta Thunbergs vor der UN-Vollversammlung zum Klimagipfel für eine ganz große Rede, eine Jahrhundertrede. Sie fasst das Problem des Klimawandels in seiner ganzen Brisanz in wenigen zentralen wissenschaftlichen Aussagen zusammen, ohne zu verkürzen. Es ist ja auch kein Widerspruch zu hören: die Halbierung der CO₂-Emissionen in zehn Jahren gibt uns bestenfalls eine 67-prozentige Chance, unkontrollierbaren und irreversiblen Kettenreaktionen im Klima zu entgehen. Ich kann auch Thunbergs Emotionalität und Wortwahl dem Thema nicht unangemessen finden. Es ist nachvollziehbar, dass sie keine Lust hatte, die Fakten zum zigsten Male in sachlichem Ton herunterzubeten und der Konferenz ein Alibi zu geben, sie werde gehört, ohne jede Chance, die Agenda zu ändern.

Man sollte sich die Rede in voller Länge ansehen (circa vier Minuten). Mimik und Tonfall tragen zentral zum Verständnis bei. Greta Thunbergs Ernsthaftigkeit und Konzentration auf den Kern, die Unkorrumpierbarkeit ihres Blicks, die Furchtlosigkeit, höchst unbequeme Dinge auszusprechen vor einem Weltpublikum, dies alles stellt unsere Medien und, man könnte sagen, unser aller Lebensführung in ein neues Licht.

Sigrid Mogalle, Hildesheim

Wenn die Klimaaktivistin in ihrer emotionalen Rede vor der UN in New York erklärt: "Ihr habt mir meine Träume und meine Kindheit mit euren leeren Worten gestohlen", dann finde ich diese - ihre oder ihrer Berater - Aussage eine Beleidigung für die vielen Millionen Kinder und junger Leute, die unverschuldet in den beiden Weltkriegen in den Luftschutzkellern und an den Fronten nicht nur um ihre Träume und ihre Kindheit, sondern um ihr Leben betrogen wurden. Die Relationen zu ihrem überwiegend glücklichen Leben im friedliebenden Schweden und diesen Schicksalen möge Greta mit dem Erwachsenwerden erkennen, wenngleich ihre Berater differenzierter mit abgesprochenen Texten umgehen sollten.

Johannes Smeets, Baiersbronn

© SZ vom 18.10.2019
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