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Frauenquote:Von Gleichberechtigung und Rosinenpickerei

Wenn schon Quote, dann bitte für alle Berufe - von der Müllabfuhr bis in die Vorstandsetagen, findet ein Leser, während andere durch feste Anteile unqualifizierte Stellenbesetzungen befürchten.

Zu "Diesmal wirklich" und "Übermotiviert und unrealistisch", beide vom 9. Juli sowie zu "Die Macht teilen" vom 7. Juli:

Es ist ja nicht so, dass sich deutsche Vorstände gegen die Aufnahme von Frauen in ihren Reihen sperren würden. Nur steht eben viel weniger weiblicher als männlicher Führungsnachwuchs zur Verfügung. Somit steigen mehr Männer als Frauen in die Vorstandsetagen auf. Eigentlich ganz einfach. Die in dem Kommentar entwickelte Vorstellung, dass "gemischte Führungsteams" besser arbeiten, ist Wunschdenken. Man betrachte nur die heutige Politik, an der Frauen einen großen Anteil haben.

Auch der persönliche Umgang mit Machtmenschen lehrt einen, dass Frauen oft genauso skrupellos auf den eigenen Vorteil bedacht sind wie Männer. Etwas spezifisch Weibliches kann man da nicht erkennen. Viel mehr ist es so, dass "echte Führungskräfte" die negativen Eigenschaften von Männern und Frauen in sich vereinen. Frauenquoten werden nur dazu führen, dass sich die fachliche Kompetenz weiter verringert und die Vetternwirtschaft bei der Vergabe von Posten sich verstärkt.

Thomas Leichner, Wolfratshausen

Köstlich, wie Frau Gammelin uns Männer auf den Arm nimmt, uns charmant den Spiegel vorhält. Männer haben in ihrer Hybris, ihrer Gier gar nicht gemerkt, wie sie an dem Ast gesägt haben, auf dem sie sich's bequem gemacht hatten. So humorvoll und dennoch sachlich kompetent ist das selten gelungen! Kompliment.

Dipl. Ing. Hans von Stebut, Taufkirchen

Seit Gründung unseres Staates steht es jeder Frau frei, Mitglied einer Partei zu werden. Und nach 30 Jahren Internet kann auch keine Frau mehr behaupten, sie sei nicht ausreichend informiert oder es fehle ihr an Möglichkeiten für eine politische Betätigung. Über Jahrzehnte hatten sich die meisten Frauen aus dem politischen Geschäft herausgehalten und es sich in ihrer unpolitischen Nische bequem gemacht. Dass sich Frauen im politischen Alltag gegen Konkurrenz - auch des eigenen Geschlechts - durchsetzen müssen, ist selbstverständlich. Das macht der Wähler, wie das "CDU-Triumfeminat" beweist, auch möglich. Demokratie beginnt an der Basis, und wenn Frauen sich von politischen Parteien fernhalten, sollten Politikerinnen keine Quoten einfordern, sondern ihre Geschlechtsgenossinnen drängen, politisch aktiv zu werden.

Führen wir eine Frauenquote ein, werden schnell Rufe anderer Gruppen laut werden, die ebenfalls berücksichtigt werden wollen. Das hat dann mit Demokratie nach dem Prinzip "one man, one vote" nicht mehr viel zu tun.

Dr. Rainer Götz, Moers

Als Mann bin auch ich für eine Frauenquote. Es wird Zeit, dass auch Frauen in Bergwerken, in der Seefahrt, auf Baustellen und bei der Müllabfuhr arbeiten. Also eine verpflichtende Frauenquote in allen Berufen, nicht nur bei lukrativen Vorstandsposten. Gleichberechtigung darf keine Rosinenpickerei sein.

Stefan Gode, Berlin

Man tut den Frauen keinen Gefallen mit Quotenregelungen. Welche Frau, wo auch immer, will dann später als "Quotenfrau" diskreditiert werden, die es nur aufgrund der Quote in diese Position gebracht hätte? Wie formulierte es Astrid Hamker im SZ-Interview so schön: "Für junge Frauen ist Gleichberechtigung eine Selbstverständlichkeit. Da braucht es keine Quoten."

Es scheint, dass es nicht genügend politisch interessierte und qualifizierte Frauen gibt. Das fängt bereits auf kommunaler Ebene an. Der Frauenanteil in allen Parteien ist weit geringer als die Parität. Ich bewundere tüchtige Politikerinnen im Land, im Bund und in der EU. Mir graut aber bei dem Gedanken, eines Tages von inkompetenten Quotenfrauen regiert zu werden.

Wolfgang E. Schaefer, Altleiningen

© SZ vom 05.08.2020

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