Erdoğan Vorurteile bestätigt

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Der Leser glaubt nicht, dass der Besuch Erdoğans in Deutschland dabei geholfen hat, Divergenzen zu überbrücken. Und trotzdem wünscht er sich, dass es die beiden Länder schaffen, die rechts-nationale Politik zu entkräften.

"Krieg dich ein, Mann" vom 29./30. September:

Der Besuch Erdoğans in Deutschland war sicherlich vieles, ein Erfolg allerdings, wie von der türkischen Presse interpretiert und vermeldet, war er freilich mitnichten. Nicht für den türkischen Präsidenten und die Türkei, nicht für den deutschen Präsidenten und Deutschland. Denn neue und vermittelnde Perspektiven konnten nicht nur nicht eröffnet werden, vielmehr wurden bestehende Vorurteile und Kritiken bestätigt und vertieft.

Außer (hoher) Spesen also nichts gewesen? Doch, es war das gebotene Bestreben von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, sich mit den zur Verfügung stehenden Mitteln unserer demokratischen Diplomatie an die Seite aller unter der Erdoğan'schen Autokratie leidenden Türken und Türkinnen in ihrem Heimatland zu stellen. Mithin jenen, die wir in Deutschland leider nicht empfangen können.

Ob dieser Versuch nun in Gänze "hoffnungslos" gescheitert ist, lässt sich selbstverständlich noch nicht absehen. Klar ist jedoch: Solange Erdoğan seine autokratische Politik weiter betreibt und diese zudem in andere Länder hineinträgt, werden Europa und die Türkei aufgrund ihrer divergierenden Wertvorstellungen, folglich ihres gegenseitigen Unverständnisses und Misstrauens auf keiner Ebene zusammenfinden können. Werden viele Türkinnen und Türken nicht wirklich in Deutschland ankommen, weder bei der Verbesserung von (Aus-)Bildungsmöglichkeiten, noch bei der Mehrung von sozialer und gesellschaftlicher Anerkennung und Teilhabe.

Nicht zuletzt deshalb ist der Türkei und Deutschland zu wünschen, dass die rechtsnationale Politik jeweils spürbar entkräftet wird, dass insbesondere die aufgeklärte Bildungselite und die Intellektuellen in dem von Mustafa Kemal Atatürk gegründeten Staat zum Wohle des Volkes entdiskriminiert werden.

Matthias Bartsch, Lichtenau