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Berliner Flughafen:Mehrfach durchgestartet

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Der stark verspätete Betriebsbeginn am umgebauten Flughafen Schönefeld erntet vor allem spöttische und kritische Kommentare.

Zu "Immer wieder Wagnis" und "Mutige Worte zum Geleit" vom 2. November:

Es sei an der Zeit, den Berlinern zu gratulieren. Aha, und wofür? Angesichts der vollkommen aus dem Ruder gelaufenen Bauzeit und Kosten sind wir, die es ungläubig in den Nachrichten mitverfolgen durften, mal Satiriker, mal Oberjammergauer. Der Flughafen scheint mit neun Jahren Verspätung doch noch fertig geworden zu sein, und abgesehen vom Eröffnungstermin an Halloween und unter Begleitumständen namens Corona ist Großes geschehen: Der BER ist unser Vorbild, weil Lehrbeispiel.

Der Flughafen wird gewiss in Bälde um neue Startbahnen, Autobahn-Zubringer, etc. bereichert. Ein immerwährendes Großprojekt, das Millionen und Abermillionen verschlingt, über dessen Sinn ... Ja klar, die Menschen müssen beschäftigt werden. Ein Wagnis, fürwahr!

Christian Schlender, München

Für den neuen Berliner Flugplatz sind viele Milliarden Euro verschleudert worden für ein doch letztlich reichlich überflüssiges Projekt. Man sieht, Geld gibt es in Hülle und Fülle, nur fließt es eben in die falschen Kanäle.

Friedhelm Buchenhorst, Grafing

Jan Heidtmanns Hinweis, beim BER handle es sich nicht um eine "Herzensangelegenheit" des Bundesverkehrsministers, ist leider auf den Punkt gebracht - er fällt in Scheuers Zuständigkeit, ist aber erkennbar nicht sein Fachgebiet. Zwei oder drei Male beschwor er, dass der neue Flughafen jetzt "durchstarten" könne. Jemand hätte ihm doch sagen sollen, was Durchstarten tatsächlich ist: Ein Landeanflug muss unterbrochen werden, wenn das Flugzeug schon (fast) am Boden ist - ob der Pilot die Gründe dafür zu vertreten hat oder nicht -, und die Maschine durch Vollgas noch einmal in eine stabile Flugsituation gebracht werden, damit ein erneuter Anflug mit hoffentlich dann sicherer Landung möglich wird. Und so etwas wünscht Scheuer dem BER? Eher nicht, aber es klingt schön dynamisch, also muss es ja positiv sein. Guten Willen dürfen wir Scheuer hier schon unterstellen, sein Desinteresse an der Sache ist aber unverkennbar.

Friedrich-Karl Bruhns, München

Herr Matzig hat einen sinnvollen und notwendigen Bestandteil einer "längst überfälligen Verkehrswende", nämlich die "Abkehr vom [...]Jet-Hopping zu Discountpreisen" allzu voreilig-optimistisch als Faktum formuliert statt als politische Forderung. Ich sehe leider nicht, dass in Zukunft die Reisebranche auf das Angebot beziehungsweise die Kunden freiwillig auf ihre entsprechende Buchung von Pauschalangeboten eines zweiwöchigen Strandurlaubs in der Türkei, in Tunesien oder in Thailand verzichten werden, solange diese deutlich weniger kosten als zwei Wochen in Italien oder Kroatien. Auch der Wochenendtrip nach Barcelona für nur 50 oder 80 Euro Fluggebühr dürfte beliebt bleiben, sofern er nicht durch gesetzliche Vorgaben unterbunden oder durch stark erhöhte Preise unattraktiv gemacht wird.

Dass der "Bau des Kölner Doms [...]für Jahrhunderte unterbrochen" wurde, hatte neben Geldmangel wohl mindestens einen weiteren Grund, nämlich, dass nach etwa 280 Jahren Bautätigkeit der Baustil der Gotik "unmodern" geworden war. Zudem hatte das Wiederauffinden von Originalzeichnungen aus dem 14. Jahrhundert die Wiederaufnahme und Vollendung des Dombaus im 19. Jahrhundert ermöglicht.

Simon Schlagheck, Grafrath

© SZ vom 08.12.2020
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