Abtreibung Die Frauen werden alleingelassen

Den Kompromiss, den die große Koalition zum Werbeverbot für Abtreibungen erzielt hat, halten Leserinnen für einen ganz faulen. Eine Leserin wundert, dass dabei auch Frauen mitmachen.

"Kritik am Kompromiss zum Paragrafen 219a" vom 14. Dezember:

Es ist ein Skandal. Frauen werden wie eh und je kriminalisiert, wenn sie von dem Kind "nichts wissen wollen" und sich zu einer Abtreibung entschließen - was sicherlich nicht leicht ist, denn immerhin gibt es gleich zu Beginn der Schwangerschaft einen hausgemachten Cocktail aus Glückshormonen, gegen dessen Wucht man (frau) sich erst einmal mit aller Willenskraft mental und psychisch stemmen muss. Väter treiben faktisch auch ab, denn wie viele wollen tagtäglich nichts von ihren Kindern wissen und wenden eine von zahlreichen bewährten Strategien an, um sich vor Unterhalt, Verantwortung und Pflichten zu drücken? Mit freundlicher Duldung von Staat und Gesellschaft? Auch der Staat will von den Kindern und ihren Müttern nichts wissen, indem er sie tief fallen und alleinlässt (keine Kinderbetreuung, steuerliche Benachteiligung, Armut, Sorgerecht).

Diese Verleugnung jeglicher Verantwortung für die Schwachen der Gesellschaft kommt auch einer Abtreibung gleich. Aber nur die Mütter sind kriminell. In welchen Notlagen sie stecken, welche Perspektivlosigkeit sie zu dem Schritt treibt, der viele von ihnen sicherlich ein Leben lang traumatisiert, ist wohlweislich nicht Gegenstand der politischen Debatte. Um alles noch viel schlimmer zu machen, verweigert man ihnen auch noch das Recht auf verlässliche Information.

Claudia Kreier, Grassau

Der Klerus soll still sein

Warum mich das nicht wundert? Schon vor Jahrzehnten habe ich geargwöhnt, dass den alten Männern in Bonn der Abtreibungsparagraf immer wieder in die Finger kommen wird, wenn ihnen nichts Wichtigeres einfällt, als Frauen zu demütigen. Ich habe mich allerdings ein bisschen getäuscht, denn heute sind es nicht mehr die alten Männer in Bonn, sondern auch die jungen Frauen in Berlin, die sich nicht zu schade sind, zwecks Machterhalt dieses unsägliche Thema dergestalt zu bedienen. Ein fatales Signal. Übrigens: Dem Klerus spreche ich jegliche Einmischung in diese Sache ab. Die Kirche hat reichlich damit zu tun, sich den jahrzehntelangen sexuellen Straftaten ihrer Brüder und leider auch Schwestern zu widmen.

Gabriele Hofmeister, Unterreichenbach