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Weiterbildung:Vom Louvre lernen

Weiterbildung (5): Wer Kurator werden will, verbindet Museologie in Paris und Kunstgeschichte in Heidelberg

Christine Demmer

In der Welt der Wirtschaft sind internationale Studiengänge gang und gäbe. Einmalig dagegen ist der integrierte Master-Studiengang "Kunstgeschichte und Museologie" des Instituts für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg und der École du Louvre in Paris. Die Studierenden absolvieren die ersten beiden Semester des auf zwei Jahre angelegten Programms in Paris und wechseln dann nach Heidelberg. Heidelberg steht für die Theorie der Kunstgeschichte, Paris für die angewandte Museologie. Zur Belohnung gibt es am Ende das Diplôme der École du Louvre und den Master aus Heidelberg.

Christine Beese

Christine Beese vor dem Louvre

(Foto: Foto: oH)

Christine Beese, 26, Bachelor der Uni Münster und Master-Kandidatin der Uni Heidelberg, hat ihr Studienjahr in Paris schon hinter sich gebracht. "An der École du Louvre haben wir Dinge gelernt, wie man sie sonst in der Kunstgeschichte überhaupt nicht geboten bekommt", sagt sie. "Es war zwar Stress hoch drei, aber wir konnten den Restauratoren in der Werkstatt über die Schulter schauen, hörten Vorlesungen von Juristen und anderen Spezialisten und bekamen jede Woche zwei Stunden Sprachunterricht."

Mit einem Auslandssemester in Italien, dem Jahr in Frankreich und dem Doppeldiplom, das sie im Sommer bekommen wird, sieht sie sich gut gerüstet für eine berufliche Zukunft "irgendwo im Ausland". Sich von vornherein auf Deutschland zu beschränken, das weiß Beese, ist für Kunsthistoriker fatal.

Ein herausragendes Kooperationsprojekt

Initiiert wurde der Studiengang von Professor Raphael Rosenberg aus Heidelberg. "Die pädagogischen Konzepte sind unterschiedlich, ergänzen einander aber vorzüglich. Gerade in der Kunstgeschichte kommt es auf den Überblick an", sagt er. "Unsere Studenten sollen so viele gesamteuropäische Baudenkmäler, Kunstwerke und Museen sehen wie möglich, und sie sollen verschiedene Sprachen kennenlernen, um die Quellen und die Fachliteratur studieren zu können." Er zweifelt nicht am Erfolg des Lehrgangs: "Wir erwarten binnen kurzem Bewerber aus aller Welt." Handverlesen zugelassen werden jedes Jahr bis zu 30 Kandidaten. Der Qualität der Ausbildung zuliebe will man den Kreis bewusst klein halten.

"Ein herausragendes Kooperationsprojekt zweier Elite-Institutionen und eine große Ausbildungschance für Kunsthistoriker" nennt Max Hollein den Studiengang. Der Direktor des Frankfurter Städel-Museums und der Schirn-Kunsthalle sagt: "Internationalität und Praxis sind Teil des Gesamtkonzepts und erzeugen so eine hervorragende Zusatzqualifikation für den heiß umkämpften und schwierigen Arbeitsmarkt für junge Kunsthistoriker."

Tatsächlich führt das Studium der Kunstgeschichte, von vielen belächelt als Luxuszeitvertreib für Töchter aus gutem Hause, nur wenige zum Traumberuf. Auf neun Studentinnen kommt ein Student. Und nur ein Bruchteil der überdurchschnittlich oft promovierten Kunsthistoriker findet sich nach dem Examen in einem Museum oder in einer Gemäldesammlung wieder. Angesichts der desolaten Finanzlage vieler Häuser sind die Stellen für Kuratoren und wissenschaftliche Mitarbeiter so knapp, dass noch nicht mal alle Einserkandidaten mit einer festen Stelle belohnt werden. Die Realisten unter ihnen bieten genügend Flexibilität auf, um sich in benachbarten Bereichen wie Auktionshäusern, Galerien und Verlagen verankern zu können.

Kunstvermittlung, Restauration und Recht auf dem Lehrplan

Manches Talent geht den Museen und Kunstsammlungen auch deshalb verloren, weil in Deutschland kein eigenständiges Studium der Museologie angeboten wird. So bleiben die juristischen Feinheiten bei Leihgaben, die Verwaltung von Deponaten und Exponaten, die Behandlung von Staatsschätzen, jugendlichen Museumsbesuchern und pingeligen Restauratoren vielfach graue Theorie.

Anders an der École du Louvre, wo angehende Kuratoren ein ganzes Jahr lang werktäglich im strengen Schulbetrieb ausgebildet werden. Jeden Werktag zwischen neun Uhr morgens und halb sieben Uhr abends (außer am Mittwochnachmittag) stehen Kunstvermittlung und Restauration, Recht und Verwaltung auf dem Lehrplan. Parallel zu den Vorlesungen und der praktischen Tätigkeit schreiben die Eleven an ihrer Abschlussarbeit.

Mit einem weitgehend selbstbestimmten Studium, wie man es aus Deutschland kennt, ist das nicht zu vergleichen, eher schon mit der strengen Ausbildung an einem britischen College. Gerade deshalb sind die Absolventen der École du Louvre in der Kunst- und Kulturszene begehrt. Wer sich und sein Studium zu organisieren versteht, wird es ja wohl auch mit einem Museum aufnehmen können.

Nächste Folge: Agrarbetriebswirte lernen Tierhaltung und Pflanzenproduktion von der Pike auf (am 5. April).

Wo lernt man das?

Für den Master-Studiengang ,,Kunstgeschichte und Museologie'' stehen im kommenden Herbst an der Universität Heidelberg zehn Plätze, für das übernächste Studienjahr 15 Plätze zur Verfügung. Bedingung ist ein guter Bachelor-Abschluss in Kunstgeschichte. In der Übergangsphase können sich auch Studenten, die bereits mindestens drei Jahre dem Magister-Studiengang gefolgt sind, bewerben. Nur geringe Aussichten auf Zulassung haben Bewerber, die Kunstgeschichte als Nebenfach studiert haben. Erwünscht ist ein vorangegangener, mindestens halbjähriger Arbeits- oder Studienaufenthalt im Ausland sowie gute französische Sprachkenntnisse. Während der beiden Semester in Heidelberg sind die regulären Studiengebühren des Landes Baden-Württemberg zu entrichten. Die entfallen für das Jahr in Frankreich. Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) unterstützt das Auslandsstudium mit einem Stipendium von monatlich 250 Euro, womit ein Teil der Kosten für die private Unterkunft in Paris ausgeglichen wird.

Außerdem haben die Studenten in Frankreich Anspruch auf staatliches Wohngeld. Kontakt: Institut für Europäische Kunstgeschichte der Universität Heidelberg, Seminarstraße 4, 69117 Heidelberg, Tel. 06221-542471, www.imkm.uni-hd.de.

© SZ vom 07.03.2008/mia

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