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Wahnsinn im Büro:Bin ich der einzige Normale hier?

Nörgelnde Kollegen, zynische Chefs: Der Alltag im Büro kostet Nerven. Wie man den Wahnsinn übersteht - Tipps vom Psychologen in Bildern.

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Büroalltag Wahnsinn

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Nur nicht durchdrehen: Depressive Kollegen, schleimige Chefs und Vetternwirtschaft - unser Job kostet Nerven. Psychologe Albert J. Bernstein verrät in seinem neuen Buch, wie man den täglichen Bürowahnsinn heil überlebt. Die Tipps in Bildern.

Ewiges Problem: Schleimige Chefs

Szenario: Ihr Vorgesetzter legt seine Hand auf Ihre Schuler und beugt sich vertraulich zu Ihnen: "Mit Ihrem letzten Projekt bin ich sehr zufrieden. Da sind vielleicht noch ein paar große Sachen für Sie in der Schublade. Ich darf Ihnen nicht sagen, was genau wir planen, aber ich dachte, ich sage es Ihnen trotzdem."

Überlebenstipps: Glauben Sie nichts, außer Sie haben es schriftlich Bevor Sie in helle Aufregung verfallen, denken Sie nochmals genau darüber nach, was Ihr Chef eigentlich gesagt hat: Nichts. Schleimige Chefs wissen, dass Sie auf Anerkennung hoffen, und nutzen das für sich aus. Sie sind neu motiviert - aber solange Sie nichts schriftlich haben, kann Ihnen Ihr Chef alles mögliche versprechen.

Tun Sie, was Sie ohnehin tun würden Geben Sie weiterhin Ihr Bestes, so wie Sie das bisher getan haben. Und gehen Sie davon aus, dass keine Versprechungen gemacht wurden - dann werden Sie auch nicht enttäuscht.

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Ewiges Problem: Die Jobwelt ist ungerecht

Szenario: Ihr Chef verbucht alle Erfolge für sich - alle Fehler schiebt er Ihnen in die Schuhe. Weil Sie sich als Teamplayer sehen, akzeptieren Sie das. Als es aber um die nächste Beförderung geht, zieht Ihr Vorgesetzter einen Kollegen vor, der sich vor allem durch Faulheit und kleine Intrigen in den Vordergrund gedrängt hat. Ihr Chef spricht von Teamarbeit - und verhält sich selbst genau gegensätzlich.

Überlebenstipps: Überall in der Geschäftswelt sagen Menschen das eine und tun das andere. Das gilt besonders, wenn es um Teamarbeit geht. So wichtig sie auch sein mag, in einer Wettbewerbssituation rückt sie in den Hintergrund.

Kennen Sie Ihre Ziele - und die der anderen Richten Sie alle Ihre Handlungen nach Ihren Zielen aus - auch im Team. Ihre Mitstreiter machen Sie zu guten Teamplayern, indem Sie ihnen das Gefühl geben, zu bekommen, was sie wollen. Eigennutz ist der verlässlichste Motivator: Lassen Sie Ihre Mitstreiter wissen, was für sie bei erfolgreicher Arbeit rausspringt.

Reden Sie mit Vorgesetzten Der tägliche Klatsch mit den Kollegen bringt Sie nicht weiter - das persönliche Gespräch mit Ihren Vorgesetzten schon. Wer weiß, was Sie über die Chefs lernen können -und umgekehrt.

Lassen Sie sich nicht in die Karten schauen Holen Sie sich so viele Informationen wie Sie können, aber geben Sie sie sparsam wieder heraus. Wer das letzte Ass aus dem Ärmel schüttelt, ist immer im Vorteil.

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Ewiges Problem: Passiv-aggresives Verhalten von Kollegen

Szenario: Kollege Karl macht mehr Fehler als jeder andere in Ihrer Arbeitsgruppe, gesteht aber nie etwas ein. Immer waren es die anderen. Wer ihn konkret auf seine Fehler anspricht, bekommt sofort die Verantwortung selbst in die Schuhe geschoben, schließlich sei der Auftrag nicht deutlich genug gewesen.

Überlebenstipps: Unterlassen Sie Anweisungen oder Erklärungen Klare, eindeutige Vorgaben sind absolut notwendig in der Zusammenarbeit mit passiv-aggressiven Menschen, bringen aber nichts. Auch eine Rüge erzeugt nur Widerwillen.

Loben Sie überschwänglich Lob hilft. Die meisten passiv-aggressiven Menschen fühlen sich nicht ausreichend wertgeschätzt und benötigen viel mehr Lob, als andere Mitarbeiter. Dann arbeiten sie auch motiviert.

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Ewiges Problem: Depressive Kollegen

Szenario: Kollegin Dina steht wieder mal mit hängenden Schultern in Ihrem Büro. "Ich weiß nicht, wie es weitergehen soll", sagt sie in ihrer typischen monotonen Art. Sie versuchen sie aufzuheitern, aber ihre Stimmung wird immer schlechter. Als Sie ihr zu verstehen geben, dass Sie jetzt leider dringend ein Dokument fertig machen müssen, zieht sie beleidigt ab.

Überlebenstipps: Seien Sie kein Amaterupsychologe Sie sind nicht verantwortlich für Dinas Depression - als Laie können Sie ihr nicht helfen.

Nehmen Sie die Kollegen beim Wort Dina ist enttäuscht, weil Sie nicht alles stehen und liegen lassen, um sich mit ihr zu unterhalten. Sie können es ihr einfach nicht recht machen. Da hilft nur, sie in allem, was sie sagt, wortwörtlich zu nehmen. Wenn sie sie direkt um Hilfe bittet, helfen Sie ihr. Wenn Sie sagt, sie will nicht stören, akzeptieren Sie das.

Sagen Sie deutlich was Sie fühlen und was Sie zu tun bereit sind Offenbaren Sie Ihrer Kollegin Ihren inneren Konflikt, indem Sie beispielsweise sagen: "Dina, wenn Du sagst, du bist eine Last, weiß ich nicht was ich tun soll. Soll ich sagen, dass ich weiterarbeiten muss, und dir damit das Gefühl geben, wirklich eine Last zu sein, oder soll ich meine Arbeit liegen lassen, dich überzeugen, dass du keine Last bist, und mich innerlich aufregen?"

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Ewiges Problem: Nörgler und Jammerer

Szenario: Sie sind gerade frisch in den Tag gestartet, da begegnet Ihnen auf dem Weg zum Kaffeeautomaten ein Kollege, der sofort anfängt sich über die letzte E-Mail des Chefs aufzuregen, die Kompetenz der Geschäftsleitung infrage stellt und eigentlich am liebsten alles hinschmeißen will.

Überlebenstipps: Wenn Sie nicht mit ins Jammertal gezogen werden wollen, ignorieren Sie die Nörgler. Bleiben Sie ruhig und lassen Sie sie reden.

Beantworten Sie Negatives mit Positivem Nörgler rechnen mit Zustimmung. Wenn Sie auf ihre negativen Bemerkungen stets mit etwas Positivem reagieren, bringen Sie sie aus dem Konzept.

Fragen Sie Nörgler sind mit ihrer Situation unzufrieden - und wollen es oft auch bleiben. Mit der Gegenfrage "Und was wollen Sie dagegen unternehmen" nehmen Sie ihnen den Wind aus den Segeln.

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Ewiges Problem: Kontrollfreaks

Szenario: Carola ist Ihre Vorgsetzte und sagt Ihnen gerne bis ins Detail, wie Sie ihre Arbeit verrichten sollen. Gerne kontrolliert sie dies im Nachhinein persönlich und weist Sie auf Ihre Fehler hin. Kein noch so winziges Detail entgeht ihrer Aufmerksamkeit.

Überlebenstipps: Hinter Kontrollzwang steckt meist einfach Angst. Wenn Sie das durchschaut haben können Sie beschwichtigen statt beschuldigen. Geben Sie Carola das Gefühl, Sie nehmen ihre Ängste ernst, anstatt sich über ihre Kontrolle aufzuregen.

Erstatten Sie Bericht, bevor Sie darum gebeten werden Kontrollfreaks können gar nicht genug Informationen bekommen. Indem Sie sie liefern, sorgen Sie für Beruhigung - und im besten Fall für weniger Nachfragen.

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Ewiges Problem: Indirekte Beleidigungen

Szenario: Sie haben sich wochenlang auf Ihre Präsentation im Meeting vorbereitet - und jetzt sitzen zwei Ihrer Kollegen am Ende des Tisches und reden miteinander, anstatt Ihnen zuzuhören. Oder sie spielen die ganze Zeit mit Ihrem Blackberry. Oder sie gähnen demonstrativ. Oder sie blicken immer wieder auf die Uhr. Die Liste der indirekten Beleidigungen ist lang.

Überlebenstipps: Schweigen Sie Hören Sie einfach für ein paar Atemzüge auf zu sprechen. Die Aufmerksamkeit kehrt in der Stille zu Ihnen zurück.

Gehen Sie in die Offensive Ohne den Kollegen, der gerade auf die Uhr schaut, anszusehen, sagen Sie: "Es ist jetzt 14.15 Uhr. Es bleiben noch drei Punkte, auf die ich gerne eingehen würde, also sind wir gegen 14.30 Uhr fertig."

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Ewiges Problem: Kritik

Szenario: "Nehmen Sie diese Kritik nicht persönlich", sagt der Kollege zu Ihnen. Und schon ist es passiert.

Überlebenstipps: Halten Sie inne Eine unüberlegte pampige Antwort als Reaktion hilft Ihnen nicht weiter. Nehmen Sie sich Zeit zum Nachdenken, bevor Sie auf Kritik reagieren.

Hören Sie zu Aus jeder Kritik können Sie auch lernen.

Bitten Sie um einen Ratschlag, anstatt sich zu rechtfertigen Alle Erklärungen, die Ihnen zu einer Kritik einfallen, wirken auf Ihr Gegenüber wie eine lahme Verteidigung. Also fragen Sie einfach, welche Verbesserungen Ihr Gesprächspartner vorschlägt - schon befinden Sie sich auf Augenhöhe.

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Ewiges Problem: unbeirrbarer Autopilot

Szenario: Sie haben es schon wieder getan, obwohl Sie sich geschworen haben, künftig knallhart zu sein. Sie haben Ja gesagt, obwohl Sie eigentlich Nein sagen wollten. Sie haben sich im Meeting nicht getraut, ein wichtiges Problem anzusprechen, aus Angst vor der Reaktion des Chefs. Und so weiter. Sie machen immer wieder die gleichen Fehler.

Überlebenstipps: Im Laufe unseres Lebens legen wir uns ein Repertoire an Verhaltensmustern zu, in die wir immer wieder zurückfallen - vor allem in emotionalen Situationen.

Immer mit der Ruhe Die meisten Autopiloten sind darauf ausgerichtet, ihr Stresslevel so schnell wie möglich durch Flucht zu reduzieren. Aber Sie haben immer genügend Zeit, durchzuatmen und kurz zu überlegen. Was ist die richtige Entscheidung? Sie können nicht allen Konflikten aus dem Weg gehen, indem Sie alles tun, was man von Ihnen verlangt. Wenn Sie nicht fragen, kriegen Sie auch nichts, und wenn Sie nicht Nein sagen, werden Sie mit Arbeit überhäuft.

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Ewiges Problem: Prokrastination

Szenario: Seit Ihr Kollege zum Abteilungsleiter befördert wurde, hat er ein Problem mit dem Zeitmanagement. Für die einfachsten Aufgaben braucht er plötzlich Wochen, er verpasst Termine und liefert seine Berichte zu spät ab.

Überlebenstipps: Ihr Kollege hat eine Blockade, die er selbst bekämpfen muss. Anstatt alle möglichen Versprechnungen zu machen, die er nicht einhalten kann, sollte er nur verbindliche Zusagen geben - darauf können Sie ihn hinweisen. So kommt sein Arbeitseifer vielleicht zurück.

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Ewiges Problem: Schleimen oder nicht schleimen

Szenario: Bei Ihren Kollegen können Sie es nicht ausstehen, aber manchmal haben Sie das Gefühl, ohne geht es nicht. Müssen auch Sie schleimen um voran zu kommen?

Überlebenstipp: Ja, Sie müssen. Aber warum so negativ? Können Sie den Begriff schleimen nicht einfach durch "Führungskräfte wie Menschen behandeln" ersetzen? Dann erscheint es Ihnen sicherlich schon nicht mehr so schlimm. Und die Wahrheit bleibt: Menschen setzen sich nicht gerne für andere Menschen ein, von denen sie sich gehasst fühlen.

Noch mehr Überlebenstipps gibt es in: Albert J. Bernstein: "Bin ich denn der einzige Normale hier. 101 Tipps, wie Sie den täglichen Bürowahnsinn überleben", Redline 2010.

Foto: iStock (sueddeutsche.de/holz/joku/bgr)

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