bedeckt München 17°

Von Arial bis Comic Sans:Schriftarten im Check

Welche Schrift wirkt seriös, welche macht Kopfweh und bei welcher fangen Designer an zu weinen? Ein Überblick zu den gängisten Typen.

1 / 6

Für Unauffällige

schriften_mini

Quelle: schriften_mini

Mit der ewigen Standardschriftart der Office-Programme kann man in Mails nichts falsch, aber auch nichts richtig machen. Sie kommt einfallslos und fad daher, dafür aber neutral und seriös. "Wer Arial verwendet, dem scheint die inhaltliche Aussage wichtiger zu sein als eine besonders schöne Form", sagt Designer Andreas Koop. Dabei sieht man darüber hinweg, dass Arial beim Drucken bis zu 30 Prozent mehr Tinte oder Toner schluckt als sparsamere Schriftarten. Nicht nur deshalb kommt sie aus der Mode. Auch Microsoft hat Arial längst vom Standard-Thron gestürzt. Die Nachfolgerin dort ist Calibri.

2 / 6

Für Traditionalisten

schriften_mini

Quelle: schriften_mini

Der Name verrät es: Diese Schriftart wurde vor 80 Jahren für die britische Zeitung The Times entworfen, um möglichst viel Inhalt in eine Zeile zu stopfen. Auf dem Bildschirm ist sie deshalb mühsam zu lesen, sagt Koop: "Wer seine Mails in Times New Roman schreibt, sollte die sich am eigenen Monitor mal genau durchlesen. Vermutlich hat er nicht so viel Spaß damit." Für die Eigenwerbung macht die Times wenig her, weil zu viele Leute sie seit vielen Jahren nutzen. Wer die kleinen Häkchen oben am T und an anderen Lettern (in der Fachsprache Serifen) mag, hat moderne Alternativen wie Georgia oder Cambria.

3 / 6

Für den Mainstream

schriften_mini

Quelle: schriften_mini

Wer in Calibri schreibt, ist auf der Höhe der Zeit. Seit 2007 ist sie Standard bei der verbreiteten Office-Software. Bei Designern kommt die Schriftart gut an: "Sie hat einen humanistischen Duktus, wie wir Typografen das nennen", sagt Peter Glaab. Ihre Formsprache ahme die Bewegung der Handschrift nach. "Sie sieht nicht aus wie am Reißbrett entworfen." Allerdings hat Calibri noch längst nicht jeder installiert, vor allem Apple-Nutzer nicht. In Zukunft droht ihr das typische Schicksal einer jeden Standardschriftart: Irgendwann will sie keiner mehr lesen. Wer dafür gerüstet sein will, kann etwa Corbel probieren.

4 / 6

Für Altruisten

schriften_mini

Quelle: schriften_mini

Georgia-Nutzer meinen es gut mit ihren Lesern: "Diese Schriftart ist speziell für die Darstellung auf Bildschirmen entworfen worden", sagt Glaab, "und ist deshalb auf jedem Rechner gut lesbar." Wie die meisten Schriftarten mit den sogenannten Serifen kommt Georgia weich und angenehm daher, zeigt wenig Ecken und Kanten. Gleichzeitig ist sie nicht so verspielt wie andere Typen. Auf wen das im echten Leben zutrifft, fährt in seinen Mails mit dieser Schriftart gut. Gefallen könnte den Georgia-Freunden auch Book Antiqua oder Garamond - zwei Typen, die gefühlt schon seit Ewigkeiten schön anzusehen sind.

5 / 6

Für Spaßvögel

schriften_mini

Quelle: schriften_mini

Auf den Erfolg von Comic Sans angesprochen, wissen Designer nicht recht, ob sie lachen oder weinen sollen. "Ich finde es unglaublich, in welch seriösem Zusammenhang diese Schriftart zum Teil benutzt wird", sagt Andreas Koop. Wer die Büro-Mails und Präsentationen in Comic Sans erstellt, läuft zumindest Gefahr, von Kennern nicht ganz ernst genommen zu werden. Schließlich ist die Schriftart 1994 entwickelt worden, um Anfänger an den PC heranzuführen. Vielleicht wollen die Nutzer aber auch einfach nur ein Lächeln auf das Gesicht des Lesers zaubern. Das kann klappen - wenn der Kollege kein Designer ist.

6 / 6

Für Weltbürger

schriften_mini

Quelle: schriften_mini

Original, Klassiker oder gar Königin der Schriftarten: Mit Helvetica punktet man in der Designwelt. In leichter Abwandlung prangt die Schrift auf den Flugzeugen der Lufthansa, den Schildern der New Yorker U-Bahn - und war bislang Standard auf Apple-Geräten. In Zukunft setzt der Technologiekonzern aber auf eine neue Schrift, weil Helvetica für Bildschirme nicht die erste Wahl ist: "In kleinen Größen kann man zum Beispiel das kleine c, e und o nicht so mühelos unterscheiden wie bei anderen Schriftarten", sagt Designerin Nina Stössinger. Kein Stern kann ewig glühen, auch nicht in der Typografie.

Benedikt Müller

© Süddeutsche.de

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite