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US-Asyl für Schulverweigerer:"Schlag ins Gesicht der Behörden"

Aus diesen Gründen empfindet auch Jörg Großelümern, ein Sprecher des Netzwerks Bildungsfreiheit, es nicht übertrieben, im Falle der Romeikes von religiöser Verfolgung in Deutschland zu sprechen. "Wenn die Polizei die Kinder bei der Familie abholt oder mit Entzug des Sorgerechts droht, ist das Verfolgung", sagte er zu sueddeutsche.de. Dass nun tatsächlich politisches Asyl in den USA gewährt wurde, empfindet er "als Schlag ins Gesicht der deutschen Behörden." Die Entscheidung gebe preis, in welch erschreckendem Zustand sich die Menschenrechte und insbesondere die Elternrechte in Deutschland befänden.

Ähnlich sah es wohl Richter Lawrence Burman, der dem Asylantrag der Romeikes stattgab. Die Home School Legal Defense Association zitiert den Juristen auf ihrer Internetseite mit den Worten: "Menschen, die ihre Kinder zu Hause unterrichten wollen, sind eine besondere soziale Gruppe, die die deutsche Regierung zu unterdrücken versucht. Diese Familie hat eine gut begründete Furcht vor Verfolgung. (...) Deswegen steht ihr Asyl zu, und das Gericht wird ihr Asyl gewähren."

Größere Vielfalt

Großelümern hofft nun, dass diese Entscheidung ein Umdenken in Deutschland anregt und den Weg frei für neue Bildungswege macht. "Wir lehnen die staatlichen Schulen nicht ab, wir sind nur für eine größere Vielfalt in unserem Bildungssystem. Und da gehört Heimunterricht dazu", sagt er. Eine Auswanderungswelle nach der Entscheidung in den USA erwartet er nicht.

Ähnlich äußerte sich auch Anwalt Michael Donnelly. Man hoffe, dass das Urteil nun die öffentliche Meinung in Deutschland beeinflusse. Das sei auch einer der Gründe dafür gewesen, der deutschen Familie Rechtsbeistand anzubieten, erklärte er. Die Entscheidung des Einwanderungsrichters nennt Donnelly auf der Webseite seines Verbands "peinlich für Deutschland, weil jedes westliche Land grundlegene Menschenrechte, wie das Recht der Eltern, ihre eigenen Kinder zu erziehen und zu bilden, gewährleisten sollte".

Ein Sprecher des baden-württembergischen Kultusministeriums wollte die Entscheidung aus den USA gegenüer sueddeutsche.de nicht bewerten. "In diesem Fall ging es darum, das geltende Schulrecht des Landes durchzusetzen. Darüber hinaus steht es jedem frei, ins Ausland zu gehen", sagte er.

Auch die Kultusminister-Konferenz sieht in der Entscheidung keine Folgen für das deutsche Bildungssystem. "Es gibt in Deutschland eine Schulpflicht und das wird auch so bleiben", sagte eine Sprecherin gegenüber sueddeutsche.de.

Die US-Regierung kann gegen das am Dienstag veröffentlichte Urteil noch Einspruch einlegen. Ein Sprecher der Einwanderungsbehörde wollte zunächst keine Stellung nehmen.

Viele Möglichkeiten für Eltern

Der deutsche Konsul für den Südosten der USA, Lutz Görgens, ging in einer Erklärung nicht direkt auf das Urteil ein. Er betonte jedoch, Eltern in Deutschland hätten eine große Bandbreite von Bildungsmöglichkeiten für ihre Kinder. Es gebe öffentliche und private Schulen und auch solche mit alternativen Lehrplänen wie Waldorf- und Montessori-Schulen. Die allgemeine Schulpflicht garantiere einen hohen Bildungsstandard für alle Kinder. Bereits vor der Entscheidung des Einwanderungsrichters sagte Görgens, das Argument einer Verfolgung sei "weither geholt".

© sueddeutsche.de/joku

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