bedeckt München 14°

Unmögliche Smalltalk-Themen:Heute schon dummes Zeug geredet?

Und plötzlich steht man allein mit dem Chef im Aufzug: Wer im Job erfolgreich sein will, kommt um Smalltalk nicht herum. Aber manche Themen gehen gar nicht.

Ob alleine mit dem Kollegen im Aufzug, in der großen Runde beim Betriebsfest oder vor Verhandlungen mit Kunden: Smalltalk gehört zum Berufsalltag dazu. Dennoch meiden ihn manche und fühlen sich bei dem Geplänkel unwohl. "Einige sagen, sie mögen Smalltalk nicht, weil das Gespräch zu oberflächlich sei, andere sind unsicher und wissen nicht, was sie sagen sollen", erklärt die Business-Trainerin Carolin Lüdemann aus Stuttgart. Sie hilft Menschen, im Job souveräner aufzutreten.

Hillary Rodham Clinton, Nicolas Sarkozy

Worüber reden sie wohl gerade? Auch Hillary Clinton und Nicolas Sarkozy müssen Smalltalk beherrschen.

(Foto: AP)

Angenehmer Türöffner

"Es ist ungemein wichtig, in der Lage zu sein, Beziehungen aufzubauen und auf andere zuzugehen", meint Lüdemann. Der Rhetoriktrainer Dieter Zittlau aus Düsseldorf sieht das ähnlich: "Ohne Smalltalk kommt man im Berufsleben nicht aus." Wer die Kunst des kleinen Gesprächs nicht zumindest ansatzweise beherrscht, wirke schnell abweisend, erläutert der Psychologe. Denn Smalltalk fungiert als Türöffner und soll eine angenehme Atmosphäre schaffen.

Dafür ist es wichtig, positiv besetzte Themen zu wählen. Wer nicht über das Wetter reden möchte, kann beispielsweise Gemeinsamkeiten mit dem Gegenüber suchen. "Mindestens eine Gemeinsamkeit gibt es immer: Man ist mit dem Gesprächspartner zur selben Zeit am selben Ort", sagt Lüdemann. Vielleicht gab es auf dem Arbeitsweg Stau? Oder das Gebäude, in dem man sich befindet, wird gerade renoviert?

Nur nichts negatives

Zittlau rät zum Einstieg dazu, über sich und seine Vorlieben zu sprechen. "Es ist immer gut, in Vorlage zu gehen und etwas von sich preiszugeben", sagt er. "Mir gefällt die neue Wandfarbe in den Büros" wäre eine Möglichkeit.

Zu weit ins Private sollte man aber nicht gehen. "Sachen, die man über sich in einer Vorstellungsrunde eines Seminars erzählen würde, kann man auch im Smalltalk einbringen." Negatives kommt schlecht an: Dazu gehören der Streit mit der Ehefrau, die kranken Kinder oder die eigenen Wehwehchen. Wer mit solchen Themen ein Gespräch beginnt, erntet schnell peinliches Schweigen.

Es gibt Tabuthemen

Auch Politik, Religion oder Geldfragen gelten als Tabuthemen. Der Knigge-Experte Hans-Michael Klein erklärt, warum: "Die Smalltalk-Phase ist frei von Inhalt." Das kleine Gespräch soll unverfängliche Themen behandeln. "Das fällt einigen schwer, sie finden das zu banal oder zu doof", hat Klein beobachtet. Wenn der andere das spürt, zieht er sich zurück oder reagiert verunsichert.

Vor allem in Gesprächen mit Kunden oder dem Chef ist das schlecht. "Man muss sich auch mal darauf einlassen, über Banalitäten zu reden." Mitunter entwickelt sich das Geplauder sogar zu inhaltsvollen Gesprächen. "Es kann sich aus einem unverfänglichen Thema wie einer Fernsehsendung am Tag zuvor ein intensives Gespräch über grundsätzliche Weltanschauung und emotionale Themen ergeben", sagt die Diplom-Psychologin Doris Wolf aus Mannheim.

Zur SZ-Startseite

Lesen Sie mehr zum Thema