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Psychologie:Mistkerle als Chef

Es gibt bei Männern offenbar einen Zusammenhang zwischen den Chancen auf eine Karriere und einem unfreundlichen Charakter. Bei Frauen sieht es etwas anders aus.

Christopher Schrader

Wenn der Chef ein Mistkerl ist, liegt es womöglich daran, dass ein netter Mensch niemals Chef geworden wäre. Was viele Angestellte heimlich vermuten, zeigen amerikanische Psychologen nun mit empirischen Daten.

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Chefs sind wohl eher Mistkerle als Sympathieträger.

(Foto: iStockphoto.com)

Demnach besteht zwischen dem Personlichkeitsmerkmal Verträglichkeit sowie Gehalt und Karrierechancen bei Männern ein eindeutiger Zusammenhang.

Wer nett ist, verdient weniger und wird seltener für Managementposten vorgeschlagen, haben Timothy Judge von der Notre Dame University in Indiana und Kollegen aus vier Studien mit insgesamt mehr als 4000 Teilnehmern ermittelt (Journal of Personality and Social Psychology, im Druck).

Weniger umgängliche Männer haben demnach das Image, knallhart in Verhandlungen zu sein und mehr zu erreichen als freundliche Geschlechtsgenossen. Bei Männern in gehobenen Positionen kann das einen Unterschied von fast 20.000 Dollar (14.000 Euro) im Jahresgehalt ausmachen.

Frauen hingegen hilft es im Berufsleben kaum, hart und unverträglich aufzutreten: Das Jahreseinkommen klettert der selben Studie zufolge dadurch nur um gut 3000 Dollar (2200 Euro), der Sprung ist aber statistisch nicht signifikant.

Dabei verdienen Frauen immer weit weniger als selbst die nettesten Männer. Zudem würden Frauen, wenn sie eine weniger freundliche Persönlichkeit zeigen, von ihrer Umwelt als Kontrollfreak oder "Zicke" bezeichnet, sagt Judge; ähnlich auftretende Männer müssten nicht so viel üble Nachrede befürchten.

Um voranzukommen, sollten Frauen daher klare Forderungen freundlich vortragen; bei Männern sei keine zwiespältige Kommunikation nötig.

© SZ vom 06.08.2011/mcs

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